Von Gunhild Freese und Uwe Jean Heuser

Rupert Murdoch hat ein Ziel, und das heißt „globales Fernsehen“. Von New York bis Peking, von Kapstadt bis London sollen seine Programme zu sehen sein. Und der 63jährige Australier mit Oxford-Abschluß und amerikanischem Paß ist auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erreichen. In den Vereinigten Staaten hat Murdoch seine Fernsehhausmacht aufgebaut, via Satellit strahlen seine Programme mittlerweile auch in die meisten Länder Asiens. In Afrika ist er präsent, aus Großbritannien schon gar nicht mehr wegzudenken.

Nach Deutschland, dem wichtigsten Fernsehmarkt des Alten Kontinents, wollte der Medienmogul schon lange – nun kommt er, und das ausgerechnet über den glücklosen Kölner Sender Vox. Damit tritt ein Weltunternehmer an, der das Zeug hat, die Fernsehlandschaft zu verändern, sie lukrativer, gleichförmiger und seichter zu machen.

Der Einstieg bei Vox ist ein Überraschungscoup: Noch am Montag vergangener Woche hatten als künftige Gesellschafter die Bertelsmann-Tochter Ufa und das Luxemburger Medienunternehmen CLT, beide Partner bei RTL, das Wiederbelebungskonzept für den siechen Sender beraten. Einem Neubeginn als „RTL 3“ mit Spielfilmen, Nachrichten und den Eigenproduktionen des Programmveranstalters DCTP (darunter ZEIT-TV) schien nichts mehr im Wege zu stehen. Doch dann vollzog Bertelsmann eine radikale Wende. Der Alteigner von Vox hatte heimlich einen neuen Partner gesucht und gefunden: Murdoch. Offenkundig wollten die Gütersloher selbst als Vox-Retter dastehen und gegenüber CLT nicht die zweite Geige spielen. Das Kölner „Ereignisfernsehen“, erst Anfang 1993 mit großen Ambitionen gestartet, wurde zwar bereits nach einem Jahr in Liquidation geschickt, doch für Bertelsmann wie auch für die Düsseldorfer Medienpolitiker ist der Sender ein Prestigeobjekt. Daher mußte Vox am Leben erhalten werden – um fast jeden Preis.

Nun haben sie einen mächtigen Partner im Boot, der 49,9 Prozent der Anteile halten soll. Zwar will Bertelsmann, mit 24,9 Prozent in der Minderheit, für die Qualität des Programms bürgen; laut Vertrag sollen zudem alle Gesellschafter gemeinsam entscheiden. Aber wenn sich nicht schnell Erfolg einstellt, dürften Rupert Murdoch die vereinbarten Qualitätsstandards herzlich egal sein.

Qualität für Erfolg opfern – das hat Murdoch beim Aufbau seiner News Corporation, des mit rund 7,5 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr viertgrößten Medienkonzerns der Erde, bisher noch immer so gehalten (siehe ZEIT Nr. 22/94). Begründet hat Murdoch seine Macht mit dem Kauf australischer Zeitungen. Ende der sechziger Jahre stieg er in Großbritannien ein, wo er heute rund ein Drittel der Zeitungsauflage beherrscht. Mit dem Massenblatt Sun überwand der Murdoch-Konzern immer wieder Geschmacksgrenzen des Boulevardjournalismus; nach dem Kauf der Times zwang er das britische Traditionsblatt, allzu feste journalistische Kriterien der Massenattraktivität zu opfern. Jüngst hat Murdoch den Preis der Times auf gut fünfzig Pfennig herabgesetzt und damit einen beispiellosen Preiskampf entfacht.

Die Gewinne aus Zeitungen und Zeitschriften in der gesamten englischsprachigen Welt finanzieren heute Murdochs Sturm auf den weltweiten Fernsehmarkt. Mitte der achtziger Jahre kaufte der Tycoon das damals fast bankrotte Hollywood-Studio 20th Century Fox – eine weitsichtige Akquisition, die ihm heute den ebenso wichtigen wie teuren Nachschub an Spielfilmen und Fernsehserien verschafft. Dann gründete Murdoch die Fox-Fernsehgesellschaft, um den drei großen amerikanischen Networks ABC, NBC und CBS Konkurrenz zu machen. Das Fox-Programm richtet sich eindeutig an Teens und Twens. Den größten Hit landete der Sender mit der schrillen Comic-Serie „Die Simpsons“. Das Vorabendmagazin „Current Affair“, eine tägliche Mischung aus Tränen- und Gewaltstories, ist Vorbild für ähnliche pseudojournalistische Sendungen in Europa.