Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien hat Griechenland und die Türkei unversehens zu Übersee-Zielen gemacht. Auto- und Eisenbahnreisende sind auf die Fähren angewiesen, die zwischen Italien und Griechenland kreuzen.

Noch schneller als die Nachfrage nach dem Seeweg sind jedoch Konkurrenz und Angebot gestiegen, so daß die Passagepreise in den vergangenen zwei Jahren um rund zehn Prozent abbröckelten. Auf den verschiedenen Routen konkurriert ein rundes Dutzend Reedereien um Touristen und Gastarbeiter, die früher den Autoput über Belgrad benutzten.

Seit die durchgehenden Züge zwischen Deutschland und Athen gestrichen wurden, führt auch das Bahnkursbuch die Zug-Schiffs-Reise über Italien in einem gesonderten Fahrplan.

Die Agentur Ikon in München, die sechs griechische Reedereien vertritt, rechnet in diesem Jahr mit dreimal so vielen Passagieren wie im Vorjahr. Für die Hochsaison empfiehlt Ikon frühzeitige Buchung in einem deutschen Reisebüro und rät, bei der Reiseplanung die Überfahrt am Wochenende zu meiden.

Die kürzesten und mithin billigsten Überfahrten führen vom apulischen Hafen Brindisi nach Igoumenitsa im Westen Griechenlands und dauern zwischen acht und zwölf Stunden. Auf dieser Linie ist eine Hin- und Rückfahrt im Kleinwagen bereits für weniger als 300 Mark zu buchen. Allerdings werden auf diesen Kurzverbindungen auch die ältesten und unkomfortabelsten Fähren eingesetzt.

Wer mehr Komfort wünscht und größere Etappen auf italienischen Autobahnen und griechischen Straßen einsparen will, wird sich auf italienischer Seite für die Fährhäfen Venedig, Triest oder Ancona und in Griechenland für Patras oder Piräus entscheiden. Allerdings benötigen die Fähren für diese Langstrecken zwischen dreißig (Ancona-Patras) und vierzig Stunden (Venedig-Patras). Für die Seefahrt von Ancona zum türkischen Hafen Çesme bei Izmir sind sogar zwei Tage zu veranschlagen.

Wer kann, sollte jedoch einen anderen Abfahrthafen als Ancona wählen, denn dessen Zufahrtstraßen. Grenzbeamte und Kais sind durch zusätzliche Fährdienste nach Albanien und Split seit zwei Jahren völlig überlastet.

Bei fast allen Überfahrten muß man mindestens eine Nacht auf See verbringen. Dafür gibt es auf allen Fähren Kabinen. Für Reisende mit Wohnmobilen hat sich inzwischen jedoch ein besonderer Service eingebürgert: Sie dürfen auf der Fähre in ihren Fahrzeugen übernachten und sparen dadurch den Kabinenpreis. Olaf Krohn