Zu Zeiten des Caspar David Friedrich sagten die Menschen, wenn sie eine stimmungsvolle Landschaft erblickten: „Da sollte man jetzt ein Maler sein.“ Der Automobilist von heute sehnt sich angesichts, eines solchen Ausblicks nach einem Cabrio. Und er hat recht; denn schon der Philosoph Georg Simmel wußte: „Man kann die Landschaft nirgends im bloß Äußeren betreten, sie lebt nur durch die Vereinheitlichungskraft der Seele.“ Das Automobil unterstützt diese Vereinheitlichungskraft, indem es die Seele an jene Orte transportiert, wo die äußere Natur sich optimal zum Bild der Landschaft verdichtet.

Während in der Natur Steine, Gewässer und Gewächse nach teils funktionalen, teils zufälligen Ordnungen aneinandergefügt sind, gehorcht ihre Anordnung in einer Landschaft den Gesetzen der Ästhetik. Die Landschaft ist kein Teil der Natur, sondern ein vom kulturell geprägten Blick des Reisenden erzeugter Ausschnitt aus dieser Durch das selektive Herausnehmen der Landschaft aus dem Naturzusammenhang wird sie gleichwohl zum Symbol der Natur. Erst als Bruchstück der Natur kann sie deren Ganzheit repräsentieren.

Der Mensch sehnt sich nach einer Repräsentation natürlicher Ganzheit, weil er selbst aus der Natur ausgenommen ist. Die Landschaft und der einsame Blick des Automobilisten haben somit eines gemeinsam: Sie befinden sich jenseits der Natur. Darum werden sie es auch in der Begegnung nicht schaffen, gemeinsam dieser vermeintlich mißlichen Situation, von Kultur und Technik umfangen zu sein, zu entrinnen.

So wie die Filmspule außerhalb des gesehenen Films bleibt, so laufen die Autoräder unbemerkt unterhalb jenes Bildstreifens, der am Autobahnfahrer als Landschaft vorbeizieht, und sind doch für diese Erfahrung die technische Bedingung. Keine Erfahrung ohne Befahrung. Auch in der fremdesten Fremde ist man noch auf der Autobahn, und diese ist ihrem Wesen nach ein deutsches Produkt.

Wer in einem deutschen Wagen die Autobahnen auch der entferntesten Länder befährt, braucht nicht besorgt zu sein, dabei Deutschland jemals verlassen zu müssen. Im Blick auf die Windschutzscheibe hat der Reisende stets das Romantische im Visier. Dort, wo Elemente der Natur sich zu einem Bild ordnen, das dem Abbildungsstandpunkt des Reiseprospekts entspricht, hält er an, um seiner Kompetenz als Wiedererkenner deutscher Bildtradition eine feierliche Minute zu weihen.

Das Auto ist eine gegenständliche Ansammlung von Naturvorgängen, es gehorcht den Naturgesetzen, in seinem Herzstück lebt es aus der Verdichtung von Benzindämpfen. Die Landschaft ist ebenso ein Produkt der Verdichtung, auch für sie ist Natur bloß ein Stoff, aus dem sie entsteht. Auf unserem Cabrio-Bild finden wir Naturelemente in höchst komprimierter Form: Bach und Meer, Berg und Tal, Bäume und Wiesen, eine kleine alte Steinbrücke, nichts darf hier fehlen. Eine solche Anordnung ist es wert, anzuhalten und vom Schauen aufs Blicken umzustellen, denn hier faßt sich die Reiseerfahrung gerade so zusammen, wie das Standphoto den Film zusammenfaßt.

Die zum Landschaftsbild geronnene Natur erscheint sodann von anderer Natur zu sein, als die technisch zum Automobil zusammengefügte Natur. An den Rändern des Cabrios stoßen zweierlei Naturen aneinander. Beide sind produziert. Das Auto, als wissenschaftlich-technisch gezähmte Natur, produziert den Blick auf eine Landschaft, die in den Augen des Autofahrers als ästhetisches Symbol des Nichttechnischen erscheint. Im Sommer suchen die Bewohner des Landes der Autoproduktion nach Erholung von der Autoproduktion und finden sie in der Autobenutzung wäihrend der Urlaubsreise.