Mit sanfter Ironie schloß Richard von Weizsäcker seine Abschiedsrede: „Sie haben mich glücklich überstanden.“ Ganz ernsthaft darf man dies auch vom Übergang des Amtes auf Roman Herzog sagen: Er ging glücklich vonstatten.

Verglichen mit den Irritationen vor und unmittelbar nach der Wahl, die eher die Kontraste zwischen Weizsäcker und Herzog noch einmal hervorgehoben hatten, brachten die Reden des scheidenden wie des seit dem vorigen Freitag amtierenden Staatsoberhaupts erfreuliche Kontinuitäten zum Vorschein – wenn nicht im Stil, so doch in der Sache. Sogar jene „politischen Beobachter“, deren Trachten allein danach geht, allfällige Differenzen zwischen der Regierung und dem Präsidenten aufzudecken, werden da und dort ein Körnchen gefunden haben.

Jetzt freilich kommt der Alltag und der Dauertest, kommen die schwierigeren Situationen. Auf den ersten Besuch in Paris, beim wichtigsten Nachbarn in Westeuropa, folgt – zum ersten Mal für einen soeben vereidigten Bundespräsidenten – alsbald die Visite beim wichtigsten Nachbarn im Osten: in Polen. Dort kommt es dann auf jeden Zungenschlag an. R. L.