Didaktisch

Um eine besonders didaktische Vermittlung des Aids-Problems bemühte sich im russischen Unterhaus, der Staatsduma, der Abgeordnete Wjatscheslaw Marytschew von Schirinowskis LDPR. Während der Debatte über ein Aids-Bundesgesetz hatte sich die Mehrheit der Abgeordneten darauf versteift, daß die größte Gefahr für Rußland von fremden Besuchern drohe. Marytschew verteidigte überraschend die Ausländer. Um das zu veranschaulichen, verwies er auf die stellvertretende Duma-Präsidentin und Fraktionschefin der „Frauen Rußlands“, Alewtina Fedulowa, die gerade Den Haag einen Parlamentarierbesuch abstattete. „Es ist doch noch ganz ungewiß“, so der Parlamentskollege, „was sie von dort mitbringt.“ Der stets vollmundige Volksvertreter wurde zur Höchststrafe verurteilt: Redeverbot bis September.

Haarig

Vorbei die Tage, da die oberste Strafverfolgungsbehörde Amerikas noch Stoff für Kinodramen hergab. Früher jagte der FBI-Agent smokingtragende Mafia-Bosse über naßglänzenden New Yorker Asphalt, heute schleicht er älteren Herren in mausgrauen Anzügen hinterher, die bei Procter & Gamble die neuesten Waschmittel-Rezepturen ablichten. Die Spezialagenten drohten schon vollends in der Mittelmäßigkeit zu versinken – da wurde ihnen endlich wieder ein Fall von Format aufgetischt, von historischem gar. Das FBI soll fünf erhaltene Haare Napoleons im Labor analysieren, um auf folgende Frage Antwort geben zu können: Starb der verbannte Tyrann, wie Gerüchte hartnäckig behaupten, an einem Magengeschwür, oder war Arsen im Spiel? Nach der Expertise soll die Strähne versteigert werden. Schätzwert bei Mord 200 000 Dollar, andernfalls höchstens 50 000.

Systematisch

Tom Foley, der Sprecher des amerikanischen Abgeordnetenhauses, hat in seinen 29 Jahren auf dem Hügel manchen dummen Vorschlag gehört, aber der „A-bis-Z-Haushalts-Sparplan“ dünkt ihn der dämlichste von allen. Diese Idee zweier Hinterbänkler (Robert Andrews und Bill Zeliff) sieht eine 56stündige Sondersitzung des Hauses vor, in der alle Mitglieder der Kammer ihre Rezepte für eine Entschlackung des chronisch aufgeblähten Defizits vortragen dürfen. Die Entscheidung soll von der einfachen Mehrheit des Kongresses getroffen werden. Das aber ist ein Schlag gegen das allmächtige Ausschußsystem und damit gegen die geheiligte Tradition des congressional logrolling („Tu du meiner Pfründe nichts, dann tu’ ich deiner Pfründe auch nichts“). Die altgedienten Politprofis sind empört ob dieser Respektlosigkeit der Jüngeren; die Skeptiker um den Kapitolshügel besorgt eher die Frage, was alles noch geschehen könnte, wenn man die Abgeordneten 56 Stunden lang sich selbst überließe. Aber das System weiß sich zu wehren: Die Sparvorlage liegt erst einmal auf Eis. In einem Ausschuß.