DORTMUND. – Die Pressemitteilungen der Zoologischen Gärten überschlagen sich derzeit mit Anzeigen freudiger Ereignisse. Der Krefelder Zoo gibt die Geburt eines Schimmel-Pony-Fohlens bekannt: „Auf noch staksigen Beinchen trabt das Fohlen-Mädchen bereits...“ Einige Tage später die Ankunft eines Guanakos: „Auf staksigen Beinen bewegt sich das Fohlen-Mädchen noch...“ Und im Vogeltropenhaus „läuft das Brutgeschäft der Jahreszeit entsprechend auf Hochtouren“.

„Ein richtiges ‚Trio Infernal‘ an Temperament und Beweglichkeit wächst zur Zeit im Jaguar-Gehege des Dortmunder Zoos heran“, erfahren wir. Ein Brillenbärenpaar hat ebenda bewiesen, „daß es auch mit Brille passieren kann: Zwei reizende Bärenkinder führt Bärin Inca seit einigen Tagen ins Freie.“ Und „ganz schön fuchsig geht es zur Zeit im Gehege der Rotfüchse“ in Dortmund zu: „Drei putzmuntere Welpen strapazieren die Fürsorge und Geduld der Fuchs-Eltern über alle Maßen.“ Hinter einer Glasscheibe können die Besucher zusehen, wie „Mama Rotfuchs im warmen Dämmerlicht ihr Geheck“ aufzieht – „wie bei der Piepshow (sic!), aber gratis!“

Ausgefalleneres hat der Duisburger Zoo zu bieten: ein Tulu, eine Kreuzung aus der einhöckerigen Dromedar-Dame Suleika und dem zweihöckerigen Trampeltier-Vater Sultan. Wieviel Höcker hat der Nachwuchs? Richtig: anderthalb. „Selbstverständlich trägt er dazu echtes Kamel-Kräuselhaar“, heißt es in der Geburtsanzeige; und obwohl der Kleine „nicht weiblichen Geschlechtes“ sei, „so schimmern seine samtbraunen Augen dennoch im kompletten Liebreiz des Orients“. Auch erfahren wir, daß sich bei den „Made-in-Ruhrgebiet-Zebras“ die „Frühjahrsmode wie gehabt“ präsentiert: „Bei betont schlanker Taille und reichlich Beinfreiheit sind Streifen weiterhin in – das soeben geborene Stut-Fohlen bringt in dieser Hinsicht also keine Überraschung.“

Eine große Überraschung ist hingegen die Giraffen-Zwillingsgeburt neulich gewesen; so etwas komme „unter rd. 10 000 Geburten nur ein einziges Mal“ vor, schreibt der Duisburger Zoo. Allen Beteiligten „fehlten die Worte, als nach der Ankunft des ersten Jungtieres unerwartet ein weiteres Beinchen in der Geburtsöffnung der tapferen Mutter ‚Kenia‘ erschien“. Aus Anlaß dieser „Riesen-Sensation“ lädt der Zoo „alle zweibeinigen Zwillinge samt ihren Eltern zum kostenlosen Besuch“ ein.

Im Kölner Zoo scheint die Überraschung über Geburten generell groß zu sein, weil man offenbar nicht immer mitbekommt, daß die Tiere trächtig sind. Vor einigen Wochen, so meldet er, „überraschten uns die Rotbauchmakis mit einem Jungtier“. Kurz zuvor war „im Bau der siebenköpfigen Gruppe der Zebramangusten Nachwuchs bemerkt“ worden.

Eine echte Rarität hat auch der Dortmunder Tierpark vorzuweisen. Ein Tamandua erblickte dort das Licht der Welt, ein Kleiner Ameisenbär: „In der Welt der Zoos einzigartig!“ wirbt der Zoo. Ameisenbären sind die besondere Leidenschaft des Tierparkleiters Wolf Bartmann. Er führt auch das Internationale Ameisenbär-Zuchtbuch. Seit zwanzig Jahren züchtet er Große Ameisenbären; jetzt scheint ihm erstmals die Aufzucht des kleineren Artgenossen zu gelingen. Nur drei davon gab es bislang in Europa: zwei Weibchen in Dortmund, ein Männchen (Chaco) in Krefeld.

„Als Callboy erfolgreich war Ameisenbär Chaco aus dem Krefelder Zoo. Vor sechs Monaten fuhr Chaco in den Dortmunder Tierpark und traf dort seine Braut Maringa“, melden die Krefelder das freudige Ereignis. Die Dortmunder berichten indes: „Nach der Hochzeitsreise zum Rhein erfolgte nach sechs Monaten prompt die Geburt an der Ruhr.“ Mag auch der Ort des Têteà-tête strittig sein, unstrittig ist das Ergebnis: Mutter Maringa gebar einen Sohn, Chico. Um diese zoologische Sensation zu würdigen, reiste sogar Adaute Nunes an, der Präsident des Verbandes der Brasilianischen Zoos. Obwohl Brasilien die Heimat des Ameisenbären sei, sagt Bartmann, hätten die südamerikanischen Zoos ihn bisher kaum beachtet.