An hellen Tagen, Herz, welch ein Schlagen, tralalalalalalala! Der Himmel ist balu, Pardon, blau wie ein Veilchen, die Luft riecht wie Ozon, und die Frauen, die Frauen, tralalalala.

Kurz: Wir fühlen uns schwerelos und taumeln im All. Aber uns fragt ja keiner, dpa meldet: „In ihrem fensterlosen Laboratorium 296 Kilometer über der Erde haben die sieben Astronauten der amerikanischen Raumfähre Columbia mit den ersten biologischen Experimenten begonnen. Bei einem der Versuche wurde festgestellt, wie die Schwerelosigkeit den Calcium-Verlust beeinflußt.“

Oh, ihr japanischen Goldfische, die ihr von der japanischen Wissenschaftlerin Chiaki Naito-Mukai auf eurem Flug in die Schwerelosigkeit zartfühlend begleitet werdet, ihr habt euch wunderbarerweise vermehrt! Das All, es lebt. Ob Mensch, ob Tier, ob Astronaut, Molch, Qualle, Seeigel, Fruchtfliege, Wurm oder Alge (dpa): Alles schwebt, taumelt, und es vermehrt sich doch.

Den Flug der Columbia begleitet unsere ganze Sympathie. Die Wißbegierde des Menschen ist ungeheuer. Auch uns läßt die Vermehrung des Seeigels im All nicht kalt. Und doch. Ist der Aufwand nicht ein bißchen groß? Wäre es nicht richtiger, den Schatz des Wissens, der auch in dieser Spalte schlummert, rasch zu heben?

Wir taumeln schon seit Tagen. Unser Calcium-Verlust ist beängstigend. Aber es geht uns gut. Es ging uns nie besser. Die Eier werden billiger, die Mädchen werden tralala. Die Vermehrung unter Umständen der Schwerelosigkeit ist für uns kein Geheimnis. Was uns hingegen bedrückt: Wie denkt, wie schreibt, wie liebt man im freien, schweren Fall? Das Körpergewicht lastet gewaltig auf der feuchten Socke, die kleinen grauen Zellen sind Wackersteine, und der nicht länger aufschiebbare Gang zum WC fordert einen harten Entschluß.

Das, werte Dame und Herren von der Columbia, ist doch der Alltag, damit plagen wir uns doch herum! Die Liebe im All – geschenkt. Aber die Liebe nach Dienstschluß, im Auge des Taifuns aus ungelüfteten Betten, Einkommensteuererklärung und durchgebrannter Glühbirne! Das, ihr Wissenschaftler, bedarf des erhellenden Beistands. Aber heute, ja heute, da geht’s uns tralala.

Finis