Alle Augen sind an den internationalen Pörsen auf den Dollar gerichtet. Auch die Erklärung der Teilnehmer am Wirtschaftsgipfel in Neapel, eine weitere Schwächung der amerikanischen Währung sei „weder wünschenswert noch gerechtfertigt“, konnte den Kursverfall nicht stoppen. Im Gegenteil: Der Stützungsversuch wurde als halbherzig bewertet und hat die Talfahrt des Dollar noch beschleunigt. Profitiert haben davon zunächst einmal deutsche Anleihen. Rentenmarktexperten zweifeln allerdings daran, daß der anhaltende Trend zu steigenden Zinsen damit gebrochen ist.

Von den festen Rentenkursen konnten die deutschen Bankaktien denn auch kaum profitieren, obwohl sich bei den Wertberichtigungen auf den Rentenbeständen der Kreditinstitute eine gewisse Entlastung eingestellt hat. Aktuell leiden Bankaktien unter Prognosen, wonach die Ergebnisse im ersten Halbjahr 1994 deutlich niedriger ausfallen werden als in der Vergleichszeit des Vorjahres. Bankaktien wurden in den vergangenen Tagen von ausländischen Anlegern verkauft – wie die meisten der im Deutschen Aktienindex (Dax) enthaltenen dreißig Aktien. Dies hat nicht nur damit zu tun, daß der schwache Dollar den international tätigen Unternehmen zu schaffen macht.

Dahinter steckt auch der Versuch einiger Ausländer, über den Verkauf deutscher Aktien Währungsgewinne zu realisieren. Dennoch hielten sich die Kursverluste am deutschen Aktienmarkt in Grenzen, selbst bei den dollarempfindlichen Aktien der Autohersteller und der Großchemie. Gerüchte über eine bevorstehende Verhaftung von VW-Vorstandsmitglied Lopez setzten den VW-Kurs nur vorübergehend unter Druck.

Gut im Markt lagen Mannesmann-Aktien. Die Diskussionen über die Privatgeschäfte des bisherigen Vorstandsvorsitzenden Dieter auf der Hauptversammlung wurden an der Börse ignoriert.

Stabil tendierten Lufthansa-Aktien. Einmal wird auf die erstaunliche Ertragswende hingewiesen, zum anderen kann der Verdacht nicht entkräftet werden, daß die Banken den Lufthansa-Kurs im Hinblick auf die noch in diesem Jahr durchzuführende Kapitalerhöhung pflegen. Die Vorbereitung der Kapitalerhöhung findet auch deshalb starke Beachtung, weil der Bund als Großaktionär die auf ihn entfallenden Bezugsrechte veräußern wird, für diese Papiere also neue Käufer gefunden werden müssen. K. W.