Redaktionsbesprechungen gelten dem Chefredakteur Gérard Decq als „Zeitverschwendung“. Seine Maxime ist „action“. Schnell und immer schneller sollen die Bilder in die Wohnzimmer huschen. Folglich kommen viele Texte flüchtig bis unbedarft daher, Aussprachefehler sind an der Tagesordnung. Bis zum Überdruß drehen sich kaum aktualisierte Nachrichtenfilme in der Wiederholungsschleife. Einfach weil die Euronews-Mannschaft unterbesetzt, unterbezahlt, unterqualifiziert ist. Statt der erforderlichen 170 sind nur 120 Mitarbeiter beschäftigt.

Euronews ist vom Scheitern bedroht. Die französische Regierung will das Defizit des Senders nicht länger hinnehmen. Dabei war man einst sogar stolz darauf, neben den Sendern Arte (Straßburg) und Eurosport (Paris) auch Euronews im Lande zu haben. Siebzehn europäische Städte hatten des Senders Standort werden wollen. Aus Deutschland hatte sich München beworben. Doch die Lyoner Offerte – 15 Millionen Franc für die Ausstattung des Senders und ein Gebäude mietfrei auf 99 Jahre – schlug die Konkurrenten.

Nun hat die französische Tageszeitung Le Monde die hohen Subventionen der Sendeanstalt und die „schweren Probleme mit der journalistischen Berufsethik“ kritisiert. Im ersten Jahr erwirtschaftete der öffentlich-rechtliche Sender einen Verlust von siebzehn Millionen Mark. Werbung gibt es so gut wie gar nicht, obwohl sie mit etwa zehn Millionen Mark im Etat eingeplant war. Ohne Zuschüsse der Europäischen Union – 1994 neun Millionen Mark – wäre Euronews längst Konkurs gegangen.

Mittlerweile ließ sich der französische Kommunikationsminister Alain Carignon die Euronews-Originalrechnungen vorlegen. Die Situation sei „äußerst besorgniserregend“. Er wandte sich gegen weitere Millionenspritzen. So scheint es, daß das europäische CNN bald am Ende ist.