Vom November 1992 bis zum Februar 1993 füllte ein Missetäter Hundekot und üble Flüssigkeiten in die Briefkästen des Hamburger Nordens. Tagtäglich. Die Postler waren machtlos. Gelegentliche Freizeit-Observationen einzelner Briefkästen brachten keinen Fahndungserfolg.

Nacht für Nacht wurden die Sortierbänder abgeschaltet, und die Frauen der Nachtschicht mußten mit Gummihandschuhen die verdreckten Klumpen aus der Anlage pulen. Eines Tages ertappte ein Spaziergänger Hans Jürgen R. dabei, wie er gerade eine Ladung Katzenstreu in einen Briefkasten stopfen wollte.

Nun muß sich R. vor einem Hamburger Schöffengericht verantworten. Mager, braungebrannt, mit abgeschnittenen Jeans und Gesundheitssandalen kauert er abwesend auf seinem Stuhl; man würde ihm einige Jahre mehr zumessen als die 54, die er tatsächlich auf dem Buckel hat. Als der Richter sich an ihn wendet, erhebt er sich, wirft sich in Positur und verkündet mit lauter Stimme: "Ich stehe zu meiner Tat."

"Jawohl", mit den Tierexkrementen habe er den "Wahnsinn des Golfkrieges" behindern, "Sand ins Getriebe" des Systems streuen wollen. Ausdrücklich beruft sich der selbsternannte "Widerstandskämpfer" auch auf Mahatma Gandhi und die Weiße Rose.

"Leider", das muß R. zugeben, hatte seine Aktion einen Schönheitsfehler: die Post habe gar nicht erkennen können, aus welchem Grund der Mist in ihren Briefkästen gelandet sei. Ihn neue es heute, daß nicht die "Machthaber", sondern Arbeiterinnen der Sortierhalle den "Schweinkram" beseitigen mußten. Das habe er schon damals geahnt, sagt er. Aber ach, die Sabotage habe ihm eine "diebische Freude" bereitet. Es sei jedesmal der Höhepunkt des Tages gewesen, wenn er abends mit seinem Schmutzbeutelchen durch die Straßen streifte, erinnert sich R.

Je länger dieser Vortrag dauert, desto mehr Mühe macht es, ihm zu folgen. Immer wieder unterbricht R. seine Rede mit jauchzenden Glucksern; papageienhaft zuckt er mit dem Kopf.

Seinen engagierten Pazifismus verbindet Hans Jürgen R. mit einem weiteren Anliegen: der seiner Meinung nach überfälligen Legalisierung des Hanfanbaus in Deutschland. Der Zusammenhang mit dem Golfkrieg wird zwar nicht ganz klar, aber R. meint, Hasch mache friedlich und Alkohol aggressiv. Es wurmt ihn, daß die kleine Haschplantage auf seinem Balkon bei seiner Festnahme beschlagnahmt worden ist.