Ein Arzt riet ihm zum Malen, nach dem Krieg, als er für Jahre in Gips gelegt und sein Schlaf kurz und voller Alpträume war. „Damals wollte ich die Vergangenheit aus meinem Gedächtnis tilgen, einfach alles, was ich durchgemacht hatte.“

Stan Zak Kaminski ist ein Überlebender. Mit fünfzehn Jahren wurde er in Warschau von der Gestapo verhaftet, mit sechzehn nach Auschwitz deportiert, später nach Buchenwald, Mittelbau-Dora, Bergen-Belsen, eine ganz normale Biographie also, für viele Millionen Europäer, seinerzeit. „Jede Nacht“, sagt Stan Zak Kaminski über die Zeit danach, „kam das Grauen zu mir zurück: Ich war wieder in Auschwitz, ich sah Selektionen auf der Rampe, und ich roch den dicken, fettigen Rauch von verbrannten Leichen, der aus den Schornsteinen der Krematorien aufstieg.“

Auf seinen Bildern ist das zu sehen: die brennenden Synagogen, die Rampe in Auschwitz, der Stacheldraht, Anne Frank und Georg Elser, schräg und farbig, mit Zeitungsausschnitten und zersplittertem Glas, Opfer, Menschen, die Widerstand geleistet haben.

Seit 1974 lebt Kaminski in Frankfurt am Main, wo seine Bilder noch bis zum 24. Juli ausgestellt sind (im Haus der Freunde Frankfurts). Auch wenn die Veranstalter der großen historischen Ausstellung „1200 Jahre Frankfurt“ im Bockenheimer Depot die Frankfurter Auschwitz-Prozesse von 1963-65 weggelassen haben, Stan Zak Kaminski erinnert sich noch sehr genau. Man kann ihn fragen. Er führt die Besucher durch seine Ausstellung, erzählt aus seiner deutschen Geschichte. Auf Kaminskis Unterarm ist noch die Häftlingsnummer zu lesen, einen Button hat er sich an die Brust geheftet: „Ich bin glücklich.“ Stan Zak Kaminski hat überlebt. MaH