Düsseldorf ist nicht Dallas, aber die Zustände in der Yorckstraße 21 erinnern durchaus an das Intrigenspiel der Ewings. Nur geht es hier nicht wie in der Fernsehserie um die Macht in einem Ölkonzern, sondern um die Herrschaft über die größte europäische Rechtsschutzversicherung, die Allgemeine Rechtsschutz-Versicherungs AG (Arag). Seit Jahren währt in der Chefetage der Zwist zweier Vettern, die sich alles andere als grün sind. Der eine sitzt im Aufsichtsrat, der andere führt das Unternehmen. Vom Vetter im Aufsichtsrat, Paul-Otto Faßbender, ist bekannt, daß er von den Fähigkeiten seines Verwandten Ludwig Faßbender wenig hält. Und vor vier Monaten schien es, als könne er dafür einen behördlichen Beleg vorweisen. Das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen äußerte schriftlich Zweifel an der kaufmännischen Gesinnung und charakterlichen Zuverlässigkeit des Vorstands unter Vorsitz von Vetter Ludwig.

Anlaß für den schwerwiegenden Verdacht war ein Jahre zurückliegender Vorfall, bei dem die Arag über 35 Millionen Mark verloren hat. Es ging um fragwürdige Kreditgeschäfte mit einer Londoner Briefkastenfirma namens Garmenbeck. Der englische Partner ging pleite, Garmenbeck-Eigner Walter Amend sitzt in Untersuchungshaft. Und der damalige Arag-Finanzvorstand Henner Haferkorn wurde zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Die Frage ist nun, ob Ludwig Faßbender versicherungsfremden Geschäften zugestimmt hat. Nein, heißt es im Unternehmen, dieser Verdacht sei ausgeräumt. Das Aufsichtsamt habe alles noch einmal überprüft und seine Vorwürfe inzwischen zurückgenommen. Ob das stimmt, will die Berliner Behörde erst Ende der Woche mitteilen.

Nicht nur deutsche Banken vergeben, wie im Fall Schneider, leichtsinnig Großkredite. Das bestätigt der Bericht der Untersuchungskommission der französischen Nationalversammlung zur Skandalbank Crédit Lyonnais.

Der Fall des inzwischen zum Politiker mutierten Pleitiers Bernard Tapie und seiner Übernahme des Sportartikelproduzenten adidas ist dafür ein gutes Beispiel: Im Juli 1990 kündigt Tapie den Kauf des damals angeschlagenen Unternehmens an – und kümmert sich erst danach bei seiner Hausbank SDBO, einer Tochter des Credit Lyonnais, um eine Finanzierung.

Das merkwürdige Verfahren wiederholte sich immer wieder. Die ungewöhnliche Freigiebigkeit kommt der Muttergesellschaft der BfG Bank jetzt teuer zu stehen: 440 Millionen Mark schuldet Tapie heute der SDBO. Ein gutes Drittel wird der Crédit Lyonnais wohl nicht mehr wiedersehen. Das Erstaunliche dabei: Sein Präsident Jean-Yves Haberer war offenbar immer über die Machenschaften seiner Tochterbank informiert.

Wieder war der kleine Bruder an der Saar schneller: Während an der Ruhr noch auf die Genehmigung des Landesoberbergamts gewartet wird, bohrt die Saarbergwerke AG schon nach Gas. Nicht nach Erdgas, aber nach einer sehr ähnlichen Energiequelle. Es handelt sich um Gas, das in der Kohle gebunden ist und weltweit möglicherweise die Vorräte an herkömmlichem Erdgas übertrifft. In den USA wird Coal-bed methane (CMB) schon seit Mitte der achtziger Jahre in steigendem Umfang gewonnen – für das Jahr 2000 hält man eine, Förderung von dreißig Milliarden Kubikmetern für denkbar. Das ist immerhin rund ein Drittel der Menge, die die Bundesrepublik jährlich verbraucht. Im Ruhrgebiet ist ein aus Ruhrgas, Ruhrkohle und der US-Ölgesellschaft Conoco besehendes Konsortium an der Gasgewinnung aus Kohle interessiert, an der Saar haben sich Saarberg, Saar Ferngas und die Stadtwerke Saarbrücken zusammengetan. Saarberg-Vorstandsmitglied Werner Externbrink hält es für durchaus möglich, daß das Gas aus der Kohle mit dem konventionellen Erdgas konkurrieren kann.