ARD, ab Donnerstag, 14. Juli, 23.45 Uhr: „Alles Pasta!“

Neue Serien stiften neuen Sinn, auch in der Nacht. Sie weben mit flimmernden Schiffchen modische Lebensmuster und zeugen Helden, die allerhand zu deuten geben.

Zum Beispiel die Mamma in „Alles Pasta!“. Klein und dürr, auch im Gesicht von den Abmagerungskuren eines normierten Lebens gezeichnet, huscht sie eilig und beschürzt vom Bildrand zur Küche, zum Wohnzimmer und wieder zurück zum Nudeltopf. Diese sich zum Herd bekennende Mutter vier erwachsener Söhne ist keine Randfigur in einer weiteren Junggesellenserie. Ann Guilbert als Mamma Theresa Fanelli, italienisch und katholisch, darf alles geben, um Amerika vor dem Zerfall zu retten.

Das ist nicht so einfach. Ihr Mann ist bereits verstorben, hinweggerafft von der Entwicklung, die die Seifenoper seit ihren Gründungstagen genommen hat. Früher produzierte die Waschmittelindustrie harmlos witzelnde, amerikanische Kleinfamilien, um ihre Werbesendungen sinnvoll zu ergänzen. Früher gab es nur den Ärger mit sonderlichen Nachbarn, mit verspielten Kindern und dem einen zotteligen Hund, der seine Knochen in die Waschtrommel steckt. Der Vater war die meiste Zeit auf Arbeit und am Abend selten schlagfertig. So konnte er auch die symbolische Ordnung eines leistungsbewußten Amerikas verkörpern – im Jenseits der Sitcom und der achtziger Jahre.

Nun ist der all american daddy tot. Das war aber abzusehen. Parodien wie „The Munsters“ oder „Al Bundy“ hatten ihm gehörig zugesetzt. Häßlich und faul war er geworden, und zuletzt verschwand er mitsamt seinen Söhnen in den Leerstellen zielgruppenorientierter Rezessionsopern.

Nun sind die Söhne wieder da. Das älteste der „Alles Pasta“-Kinder, Yuppie Dominic, hat sich an den Börsen der Welt verspekuliert. Der zweite Sohn, der ölige, gute Anthony, trieb das vom Vater übernommene Familienunternehmen in den Konkurs. Der dritte, Macho Frank, wurde von seiner Frau verstoßen, und der vierte, ein intellektueller College-Ronnie, verliebte sich soeben in eine doppelt so alte Frau. Wer das sinnig deuten will, versteht: Das ganze männliche Amerika ist mit sich am Ende.

Aber es geht um die Wiedergeburt des Väterlichen im Nudel-Zeichen der italienischen Mamma. Mutter Theresa beschließt, nicht zu ihren Schwestern, den „Golden Girls“, nach Florida zu ziehen. Sie zitiert ihre vaterlosen Gesellen ins Wohnzimmer, zieht ihnen die Ohren flapp und verspricht uns allen, „auf alles ein Auge zu haben“. Bis die Probleme gelöst sind.