Wenn ein Schurke einen Schurken bezichtigt, ein Schurke zu sein, dann kann dahinter nur ein Schurkenstück stecken. In Serbien hat Präsident Slobodan Milošević die Medien auf Radovan Karadžić gehetzt. Das Regime des bosnischen Serbenführers wird im Belgrader Fernsehen als betrügerisch präsentiert; der unter dem Embargo darbenden Bevölkerung werden genüßlich die Villen Karadžić vorgeführt.

Was treibt Slobodan, den Dolch am Rücken des bosnischen Bruders anzusetzen? Milošević leidet unter einem Trauma. Die bosnischen Serben verwarfen vor einem Jahr hochmütig den Vance/Owen-Plan, für den er sich stark gemacht hatte. Heute sollen sie dem Friedensplan der Bosnien-Kontaktgruppe zustimmen. Bitteres hält der für sie bereit: Sie müssen ein Fünftel ihrer Eroberungen abtreten, und einen eigenen Staat bekommen sie auch nicht. Deshalb schieben Karadžić und Milosevic den Plan wie eine heiße Kartoffel hin und her. Wer zuerst anbeißt, verbrennt sich den Mund.

Ist aber Karadžić isoliert, kann Milošević beherzt zugreifen und die Sanktionen abschütteln. Und insgeheim wird er auch auf eine Beförderung von westlichen Gnaden hoffen: vom Schurken zum Staatsmann. M. T.