Kaum ein anderes Ereignis hat die Einwohner der Kleinstadt North Conway im US-Bundesstaat New Hampshire so erregt wie die Exekution eines Bären im Spätsommer vergangenen Jahres. Bären sind lebende Symbole für New Hampshire; die Romane John Irvings haben diese Tatsache weltbekannt gemacht.

Wie die Conway Daily Sun auf ihrer Titelseite meldete, hatte ein Beamter der Behörde für Jagdwesen und Fischerei das Tier getötet, weil es seine natürliche Scheu vor den Menschen verloren hätte. Damit, so bekundete der Mann seine Absicht, wollte er "anderen Bären eine Lektion erteilen".

Wogen der Empörung, wochenlang.

Die Beziehungen zwischen Mensch und Tier schienen in North Conway eigentlich von jeher für beide Seiten gedeihlich gewesen zu sein. Abend für Abend beförderte der Kellner des Familienrestaurants "Cliffside" die Küchenabfälle in den Müllcontainer hinterm Haus. Binnen kurzer Zeit erschien sodann ein Bär, kletterte in den Container, fraß ein bißchen, schnappte sich noch ein großes Stück Irgendwas und verschwand damit im nahe gelegenen Wald.

Nach und nach wurde der Bär zur Attraktion. In der Dämmerung fuhren Autos vor, darinnen Familien oder Pärchen. Damit sie einen Sicherheitsabstand zum Container einhielten, installierte der Kellner einen Rasensprenger: Wenn schon nicht das wilde Tier die Menschen auf Distanz halten konnte, dann doch wenigstens die Befürchtung, naß zu werden.

Jeden Abend das gleiche Spiel: Warten auf den Bären. Bis jemand sagte: Da ist er.

Ja, da war er, schwarz und groß und eindrucksvoll. Er holte sich etwas zu essen. Das Publikum interessierte ihn nicht. An manchen Abenden richtete er sich auf und schlug Wasser ab – "oh, ein Männchen".