Bei allen Unterschieden hatten die Gegner Hitlers und seines Regimes auch etwas gemeinsam: Hitler ließ sie alle ohne Unterschied verfolgen, und alle waren sich einig, daß der Terror Hitlers nur, durch seine Beseitigung zu beenden sei. Das belegt auch für die deutschen Hitler-Gegner außerhalb der Reichsgrenzen die von Ursula Adam herausgegebene Dokumentation von zeitgenössischen Reaktionen deutscher Emigranten in aller Welt auf das Attentat vom 20. Juli 1944. Das Buch versammelt in chronologischer Reihenfolge 42 Meldungen, Erklärungen, Kommentare, Aufrufe und Analysen von Hitler-Gegnern, Politikern, Journalisten, Offizieren, von Moskau bis Mexiko, von London bis New York.

Viele von ihnen hatten ihr Vaterland schon bald nach 1933 verlassen müssen, um Leib und Leben zu retten. Da nur spärlich Nachrichten aus dem Deutschen Reich und seiner erst spät formierten Widerstandsbewegung drangen, mit manchem Namen frühe Bekenntnisse zum NS-System verknüpft wurden, fiel es nicht immer leicht, Klarheit über die Beweggründe der Attentäter zu gewinnen. Am ehesten vermochten das noch die Stimmen des Nationalkomitees Freies Deutschland und des Bundes Deutscher Offiziere. Insgesamt aber verbreitete sich unter den Deutschen im Ausland die Erwartung, der 20. Juli 1944 markiere für Hitler und sein Regime den Beginn des Endes und damit des Mordens und Sterbens.

In der um die Ausstellung der Berliner Gedenkstätte Deutscher Widerstand entbrannten Diskussion sollten einige der hier versammelten Dokumente besondere Aufmerksamkeit finden, so etwa die Erklärung des früheren Reichstagsabgeordneten Walter Ulbricht vom 23. Juli 1944, der Aufruf des Nationalkomitees Freies Deutschland oder auch der Aufruf der Freien Deutschen Bewegung in Großbritannien, beide vom nämlichen Tage. Diese Dokumente machen die Versuche schwer verständlich, aus heutiger Sicht die breite Vielfalt des Widerstandes zu verkürzen und auf ihren zum Symbol gewordenen Brennpunkt am 20. Juli zu beschneiden. Bernhard Wördehoff

  • Ursula Adam:

„Die Generalsrevolte“

Deutsche Emigranten und der 20. Juli 1944; eine Dokumentation; Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 1994; 234 S., 16,90 DM