Die niederländische Provinz Friesland hat drastische Maßnahmen ergriffen, um von Touristen begangene Umweltdelikte zu bekämpfen und dem Vandalismus im Urlaub den Kampf anzusagen.

Wer Müll wegwirft, Wände mit Graffiti beschmiert oder das Radio zu laut aufdreht, wird mit Geldbußen zwischen 40 und 250 Gulden (36 bis 220 Mark) bestraft. Wer bei einem von insgesamt 34 Delikten ertappt wird, muß die Strafe auf der Stelle ohne weitere juristische Prozedur bezahlen.

An diesem für die Niederlande bislang einzigartigen Projekt beteiligen sich zehn Gemeinden in Mittel- und Südwestfriesland. Die ans Ijsselmeer angrenzende und von unzähligen Kanälen und Seen durchzogene Provinz ist besonders bei deutschen Urlaubern beliebt.

„Vor allem Jugendliche vergessen alle Anstandsregeln und lassen die Sau raus“, meint Marina Sierdsma vom zentralen Meldepunkt in Sneek, wo Tag und Nacht Klagen eingereicht werden können. Darunter leiden nicht nur die Einheimischen, sondern auch die anderen Feriengäste: „Wir kommen jetzt seit zehn Jahren hierher, und seitdem hat sich die Situation konstant verschlechtert“, erzählt ein deutscher Urlauber, der in Friesland ein Ferienhaus hat.

Besonders in Verruf geraten ist die trekkende bruine vloot, das sind Jugendgruppen, die per Schiff von einem Ort zum anderen ziehen und eine Spur der Vernichtung hinterlassen: Sie ziehen grölend und betrunken durch die Straßen, urinieren in Hauseingänge und Briefkästen, machen die Boote anderer Leute los oder bringen Schiffe ins Schaukeln und reißen so die Besitzer aus dem Schlaf. Jedes dieser Delikte wird jetzt mit 70 Gulden, rund 63 Mark, bestraft. Informationsbroschüren liegen in Banken und Yachthäfen aus, bei Verkehrsämtern und auf Campingplätzen.

Vorbild ist die australische Stadt Perth: „Dort kostet schon das Wegwerfen einer Kippe 60 Dollar, und die Straßen sind so sauber, als würden sie jeden Morgen mit dem Staubsauger gereinigt“, erläutert der Koordinator der Aktion, Wil Brienesse. Er hofft, daß das Projekt gerade bei Jugendlichen aufgrund ihres begrenzten Urlaubsbudgets Effekt zeigt: „Wer bei uns eine Bierdose wegwirft, ist 120 Gulden los“, so Brienesse. „Das Wegwerfen kostet 50 und Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit 70 Gulden.“

Selbstverständlich, so betont Brienesse, gelten die neuen Regeln für Touristen und Einheimische gleichermaßen, und natürlich zählen zu den Missetätern nicht nur Jugendliche: Es gebe auch genug Erwachsene, die es ab sofort teuer zu stehen kommt, wenn sie achtlos Batterien in die Natur werfen (100 Gulden) oder – mit 250 Gulden die Höchststrafe – ihr Boot auf dem Wasser schleifen und streichen.

Kerstin Schweighöfer