Von Jim Hoagland

WASHINGTON. – Es ist nicht leicht, eine neue globale Vision zu entwickeln, wenn so viele Steine in den Weg gelegt werden. Staats- und Regierungschefs von Panama bis Paris, von Peking bis Belgrad zeigen sich derzeit wenig beeindruckt von den Versuchen Präsident Clintons, seine Wähler daheim von seinen außenpolitischen Führungsqualitäten zu überzeugen.

In einer Hauptstadt nach der anderen sind die Kollegen des Präsidenten zu dem Schluß gekommen, daß Clintons Rockschöße nicht übers Meer reichen. Sie tun so, als hätten sie kaum etwas zu verlieren, wenn sie ihm widersprechen oder gar Widerstand leisten – und kaum etwas zu gewinnen, wenn sie ihm zur Seite stehen.

Die Bereitschaft der Verbündeten Amerikas, diesem Präsidenten die Schau zu stehlen, wird immer wieder deutlich: auf dem G-7-Gipfel in Neapel, in der Art und Weise, wie die Schlägertrupps von Haiti und die ethnischen Säuberer von Serbien Clintons diplomatische Initiativen brüskieren.

Innerhalb von wenigen Stunden entzog sich der Präsident von Panama einer Abmachung, die Clinton bei der Lösung des haitianischen Flüchtlingsproblems geholfen hätte; der deutsche Wirtschaftsminister griff die amerikanische Führungsrolle in der Finanz- und Handelspolitik scharf an, die anderen Mitglieder der G-7, angeführt durch Frankreich, wischten Clintons Vorschlag einer sofortigen neuen Handelsrunde vom Tisch.

In jedem dieser Fälle hat die Maus dem Löwen die Tatze verdreht, statt nur den Dorn zu ziehen.

Clinton hatte jedesmal in der Sache recht. Weder war die amerikanische Führung in einem schrecklichen Irrtum befangen, noch wurden ihre Positionen so überheblich vorgetragen, daß andere sich davon hätten distanzieren müssen. Gerade das aber ist es, was den Verlust der internationalen Führungsposition Amerikas so auffällig – und erschreckend – macht.