Liebe WM-Fernsehgemeinde! Freunde, Römer, Bierbäuche, Kartoffelchipsfresser! Jetzt ist Schluß mit lustig, Schluß mit langweilig, Schluß mit Fußball.

Kein Protest? Das kommt, weil: Die Herren schlafen noch. Am Sonntag kurz vor Mitternacht, Endspiel, Verlängerung, zweite Halbzeit, sind sie entschlummert. Das ist unsere Chance. Wir wollten das hier schon immer mal sagen, konnten aber nie, weil jedesmal die anderen Kollegen, die angeblich sooo viel vom Fußball verstehen, gekommen sind, und zwar ins Schwärmen. Aber jetzt schlafen auch sie, aus dem Fernseher rauscht es weißlich, und ihr Schnarchen läßt ihren wirren weißlichen Haarkranz links, rechts und hinter der sonnenbraunen Glatze leise zittern.

So. Jetzt können wir Euch, liebe Leser, endlich alles erzählen. Wie sieht’s aus da hinten? – Schnarch, schnarch. – Dann ist ja alles gut. Und nun: Die wahre Geschichte des Fußballspiels.

Schon Jahre lang oder so trafen sich immer zweiundzwanzig Männer und spielten mit einem Ball, was alle lustig fanden. Dann, 1954 oder so, kamen (natürlich!) die Deutschen auf die Idee, den Ball ins Tor der anderen Mannschaft zu schießen. Spielverderber! riefen die anderen, aber – haste nicht gesehen! – verkündeten die Deutschen, daß sie jetzt gewonnen hätten und überhaupt Fußballweltmeister wären. So ging das jahrelang.

So. Und da kamen dann die anderen auf eine Idee. Nämlich erstens zu versuchen, den Ball ins Gegnertor zu schießen („Angriff“), und zweitens die Deutschen daran zu hindern, den Ball ins eigene Tor zu schießen („Abwehr“, beides zusammen: „Taktik“). Erst machten die Spieler noch Fehler, und dann gab es ein Tor. Blöd. (Aber lustig! Jubel, jubel!) Dann machten sie leider keine Fehler mehr, und niemand schoß noch Tore. Dafür schoß man den Ball sooft wie möglich über die Mittellinie hin und her oder auch mal zurück in die eigene Hälfte („Raumspiel“).

So. Natürlich ging das nicht so weiter. (Gähn, gähn!) Jetzt gibt es deshalb neue Regeln, die unsere Redaktionsfußballprofis noch nicht kennen, weil sie da schon geschlafen haben: nur noch zwei Spieler auf dem Platz. Der eine schießt immer aufs Tor, und der andere versucht, den Ball zu fangen („Torwart“). Fünf aus jeder Mannschaft dürfen abwechselnd ran; Entfernung vom Tor: elf Meter. Das können auch Greise. Vorteil: Nachwuchsprobleme wegen „gelangweilter Wohlstandsjünglinge“ (B. Vogts) gibt’s nicht mehr, die Helden von 1954 werden wieder – äh – ausgegraben? Aufgetaut? Sofort fallen ganz viele Tore, und das Spiel macht wieder Spaß. („Kann man sich den Spaß mit Drogen einflößen? Ja...“ – R. Augstein)

Mal aufwachen da hinten! Neue Fußballjubelzeiten sind angebrochen! Bier her, Kartoffelchips holen! – Und schon wird hinter uns aufgewacht. Und was gemurmelt, schlaftrunken, noch halb in Heldenträumen gefangen. Wie war das? – „Berti.. .Stinkefinger.. .Nachwuchs fördern.. .Viererkette.. .Balakow ...Weltfußball...“ Ach ja. Na ja. Schnarch, schnarch. Finis

(Anm. d. Red.: Der Autor dieser Glosse wurde vom Platz gestellt Wir werden mit ihm in aller Ruhe ein Gespräch führen.)