Von Günther Nenning

IRobert Jungk, 81, war der Jüngste unter jenen, die noch immer und schon wieder an zweierlei glauben – ans "Trotzdem" und an die "Triebkraft Hoffnung". Beides sind Buchtitel von und über Jungk, und erst vor kurzem erschienen (1993). Jungk war der Jüngste, weil Feurigste, Unbelehr- und Unbekehrbarste. Der Lebendigste – ist tot.

Jetzt braucht es also noch mehr "Trotzdem", noch mehr "Triebkraft Hoffnung". Weiter nichts. Wieso kommt "nichts" in einem Satz vor, der so viel fordert? Als ich Robert Jungk das letzte Mal umarmte, war er voll jener absurden Jungkraft, die sich dem Nichts entgegensetzt – ungekränkt von der Vernunftfrage, ob es wohl was bringt, das lebenslängliche Widerstehen und Drüberfliegen.

Erfolg, Gewinn, Chancen – das sind Dinge, die dem Manager schmale Lippen machen. Jungk, 81, hatte volle, sinnenkräftige Lippen. Oscar Wilde sagt: "Nur oberflächliche Menschen urteilen nicht nach dem Äußeren." Es waren nicht nur die Lippen, es waren auch die Augen. Dorothee Sölle, die Theologin, schrieb Jungk, dem Atheisten; ein Gedicht zum Achtzigsten, mit den Schlußzeilen:

Fast jeden Tag findet er Groschen,

Dann lacht er uns alle aus

Vor Selbstüberraschung.