Italienische Vokabeln und unregelmäßige Verben pauken? Finito! Der nervenaufreibende Volkshochschulkurs „Ferien-Tibetisch“ für Hörer mit geringen Vorkenntnissen? La mään! (Nein danke!) Man kommt mit dem Sprachunterricht sowieso nicht mehr nach: heute Lhasa, in den Herbstferien Lago Maggiore und Weihnachten auf Lanzarote. Wer da überall mitreden will, stürzt sich schnell kopfüber in eine babylonische Sprachverwirrung.

Nein, es gibt neben der lingualen Faulheit tausend gute Gründe für den neuen Trend, sprachlich unvorbelastet das Weite zu suchen. Fremdzüngige Marktfrauen in Gottweißwo bei ihrem Plausch zu belauschen? Mit dem Taxifahrer in Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnamesisch um den Fahrpreis feilschen? Das tut man einfach nicht, ist politisch nicht korrekt, weil kulturell unsensibel.

Außerdem wird sich ein Liftboy in Peking kaum je ermutigen lassen, ein vernünftiges Hochdeutsch zu erlernen, wenn ihm jede Langnase in mühsam antrainiertem Mandarin ein „Ni hao!“ entbietet. Es zeugt also von erzieherischer Verantwortung und kulturellem Selbstbewußtsein, auch in China ein markiges „Guten Tag“ in den Raum zu stellen. Unser Kanzler macht das auch nicht anders. Nur ist man, anders als Helmut, nicht immer in der angenehmen Lage, einen Dolmetscher im Gefolge zu haben.

Bei derartigen Widrigkeiten hilft zwischen Hammerfest und Acapulco nun eine schmale Broschüre weiter, die mit ihren 44,4 Gramm nur unwesentlich schwerer wiegt als ein Schokoriegel, gegenüber diesem aber den Vorzug mitbringt, daß sie auch bei tropischer Hitze nicht zerfließt.

Dieses Büchlein also im handlichen Format eines Daumenkinos ist der multilinguale Sprachführer schlechthin, um nicht zu sagen: der globale Sprachlosigkeitsführer.

Er hört auf den Namen „Point it“, und weil das schon wieder allzu exotisch klingt, sei als imperativer deutscher Untertitel „Zeig drauf!“ empfohlen. „Zeig drauf!“ also zeigt in leicht farbstichigen Photographien alles vom Rührei über Spiegelei, Fünfminutenei bis hin zum Omelette. Wen also in Kasachstan oder im Kongo die große Eierlust überkommt, der blättert Seite 6 auf und zeigt in Gegenwart des Kellners mit dem Finger auf das Ei seiner Begierde. Jedes weitere Wort überflüssig!

Selbstverständlich finden sich Farbtafeln über Suppen, Säfte und Sättigungsbeilagen. Man kann auf zerbeulte und unzerbeulte Autos, auf Dosenöffner, Kölnisch Wasser und Kondome weisen, eben auf alles, was man unterwegs zum Wohlfühlen braucht. Für die detaillierte Planung der Urlaubsroute enthält das Büchelchen hinten gar noch übersichtliche Kontinentalkarten im Hosentaschenmaßstab von 1:100 000 000.

Das kunterbunte Kompendium, so der Autor, verspreche in aller Herren Länder eine amüsante Art der Verständigung. Damit die Zeigdraufkommunikation im multikulturellen Einvernehmen gelingt, zum Schluß noch eine kleine Gebrauchsanweisung: Verwenden Sie bei den Bilderbuchdialogen stets den Zeigefinger, niemals den Mittelfinger. Andernfalls müssen sie vielleicht überstürzt abreisen. Olaf Krohn