BOIZENBURG. – Elmar Wiener vom Bürgerbündnis war "erst mal von den Socken": Was sich da im Parlament seines mecklenburgischen Heimatortes abgespielt hatte, erstaunte und verärgerte ihn gleichermaßen. "Da schien ja die nationale Front aus CDU, PDS und Liberalen wiedererstanden."

Was war geschehen? Am 30. Juni wählten die Abgeordneten des kleinen Städtchens ihren neuen Bürgermeister, der der alte blieb: Uwe Wieben von der FDP. Mit einem Blick auf das Ergebnis war klar, wem er das zu verdanken hatte. Die dreizehn Stimmen für die absolute Mehrheit konnten nur von den sieben Stimmen der CDU und den sechs von der PDS kommen. Denn die FDP selbst sitzt nicht im Parlament. Die Sozialdemokraten mit ihren zehn und das Bürgerbündnis mit zwei Stimmen wählten die eigenen Kandidaten.

Die CDU-Parlamentarier waren zufrieden. Sie hatten den SPD-Kandidaten verhindert und den eigenen Favoriten durchgeboxt. Da störte offenbar auch der kleine Schönheitsfehler nicht: Die entscheidende dreizehnte Stimme benötigte die Partei von einer ehemaligen Stasi-Frau. Nicht als "IM" war sie tätig, sondern hauptamtlich im Offiziersrang. Das kostete sie zwar nach der Wende den Job in der Stadtverwaltung. Doch jetzt, späte Genugtuung, durfte sie über die Zukunft des Bürgermeisters, der sie seinerzeit rausgeschmissen hatte, entscheiden.

Dem Boizenburger CDU-Mann Wolfgang Wiencke ist die Sache mit der Stasi-Frau jetzt "ein bißchen unangenehm". Wichtiger aber sei, daß der richtige Mann gewählt wurde. Beinahe ein Zufall wohl: Mit der PDS nämlich will Wolfgang Wiencke, der schon in der Ost-CDU mitmischte, gar nicht gesprochen haben. "Ich war vom Wahlausgang auch überrascht", behauptet er. Aber selbst wenn es eine Absprache gegeben hätte, räumt Wiencke ein, wäre das völlig in Ordnung gewesen. "Parteipolitik ist bei so einer Bürgermeisterwahl doch zweitrangig."

Die CDU in Schwerin und in Bonn sieht das ganz anders. Angela Merkel, Landesvorsitzende der Partei, hat Order gegeben, Mehrheiten auf keinen Fall mit der PDS zu suchen. "Ich will mit ihr nichts zu tun haben." Markus Wacket