Was gäbe es denn in Bonn, das nicht zu kleinem Karo würde? Der Streit darüber, wer nach dem Karlsruher Urteil über Auslandseinsätze der Bundeswehr die Sondersitzung des Bundestages zuwege gebracht habe, ist genau von dieser Sorte.

Da läßt das Wahljahr grüßen. Das Parlament aus den Ferien zurückzuholen, Kosten über 100 000 Mark, ist allemal unpopulär. Doch es streiten eben mehrere Seelen in der Parteien Brust. Wer immer nach parlamentarischer Beteiligung an Beschlüssen über militärische Einsätze out of area gerufen hat, kann sich jetzt einer nachträglichen Billigung der Flugeinsätze über Bosnien und des See-Einsatzes in der Adria durch den Bundestag schlecht verweigern.

Andererseits wäre ein ins einzelne gehendes Entsendegesetz jetzt Unfug, weil es bis zum Ende der Legislaturperiode nicht mehr abschließend beraten werden könnte. Doch auch darum dreht sich in Wahrheit nicht der Streit: Die von immer mehr Wählern verlassene FDP fühlt sich nach Karlsruhe als Siegerin und will das schleunigst unter die Leute bringen. Aber mißgünstig zischelt die Union dazwischen, eigentlich hätten die Alliierten ja die rasche nachträgliche Billigung verlangt. Kleinklein – und immer diese Ungewißheit.

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Das gilt auch für Wolfgang Schäuble. In einem Interview mit der Badischen Zeitung auf die Kanzlernachfolge angesprochen, hat er so geantwortet: „Helmut Kohl ist unser Kandidat für die Bundestagswahl, und die Wahl entscheidet für die nächsten vier Jahre. Ich werde zu denjenigen gehören ..., die alles... tun werden, damit Helmut Kohl die ganzen vier Jahre lang Kanzler bleibt und dann vier Jahre später wieder die Wahl gewinnt und wir mit ihm.“

Oha, denkt der Chronist. Zieht sich Schäuble, bisher allgemein als aussichtsreichster Kronprinz betrachtet, sachte zurück? Und Kohl noch volle vier Jahre und dann noch einmal als Wahllokomotive? Alarm, Alarm.

Schäuble selber ist für ein paar private Tage nicht in Bonn, und altmodische Journalisten respektieren die Privatsphäre. Enge Mitarbeiter des Fraktionsvorsitzenden wiegeln ab: Seine Antwort liege doch ganz auf der gewohnten Linie; immer habe Schäuble gesagt, daß ihm seine Arbeit und sein Posten Freude mache – nicht mehr und nicht weniger, Punktum.