Von Helmut Schödel

Es war im Jahre 499 nach Kolumbus, das heißt vor rund drei Jahren, als eine Gruppe junger Südamerikaner, ganz verwirrt vor Europasehnsucht, einen Mann aus der Alten Welt zu sich bestellte. Wie Kolumbus trug auch er einen Bart, war aber kein Konquistador, sondern gehörte daheim zu einem Häuflein von Schiffbrüchigen: ein deutscher Filmemacher.

Hatten die Jungfilmer in Ecuador vergessen, daß auf ihrem eigenen Kontinent im Nordwesten Hollywood liegt, die Schaltzentrale eines Kinoweltreichs? "Conquistadores!" Von dort wollten sie keinen. Über die Humboldtgesellschaft in Quito, die damals von einem deutschen Theaterschauspieler namens Baumann geleitet wurde, kamen sie auf den Münchner Filmemacher Richard Blank.

Richard Blank, 55, promoviert in Philosophie, drei Bücher, mehrere Hörspiele, fünfzehn Filme (inszeniert nach eigenen Drehbüchern). Blank lebt in einem Münchner Nobelvorort und hat einen zweiten Wohnsitz in den Bergen nordöstlich von San Remo. Seine Familie ist groß, seine Swimmingpools sind beheizt, und die Autos vor der Tür bezeugen einen gehobenen Wohlstand. Er hat sich abgesichert gegen das, was man eine Künstlerexistenz nennt. In einem Brief an eine Schauspielerin schreibt er: "Die Kunst an sich ist ohne Wert. Das Einzige, was wir haben, ist das alltägliche Leben und die Gewißheit, daß es unzureichend ist... Der Mangel hält uns an der Arbeit. Künstlerische Produkte sind Mängelanzeigen."

Blank ist kein Metaphysiker, aber auch kein Marktstratege. Nach Quito kam er als der Vertreter einer maroden Branche und sprach mit ecuadorianischen Jungfilmern und Schauspielern, deren Filmzentrum gerade geschlossen werden sollte, über das Kino – eigentlich eine internationale Krisensitzung.

Aber Blank ist für Krisen nicht begabt. Finanzierungsprobleme, Auftragsmangel, Produktionszwänge – das sind für ihn Begriffe aus der Welt der Kaufleute und nur mit deren Mitteln zu lösen. "Fühlen Sie sich nicht im falschen Moment als Künstler", sagte Blank. Und: "Wir haben jetzt Arbeit für drei Monate."

Tagsüber verfilmte man unter sengender Sonne und zwischen jeweils zwei Sandstürmen die Geschichte eines Freudenmädchens, das aus einem gottverlassenen Dorf in den Anden vertrieben wird. Blank trat wie ein unnachgiebiger Produktionsleiter auf, der das Seminarspiel in den Ernst einer Filmproduktion verwandelte. Am Abend ließ er, strahlend wie ein Filmprofessor, klassisch diskutieren. Das Ganze war ein einziger Affront gegen unsere Workshop-Kultur.