Die jahrhundertealte Diskussion um den Scheintod lebt wieder auf. Sie ist sinnlos, denn der Hirntod geht dem Tod der anderen Organe in der Regel nur wenige Minuten voraus“, schrieb Hans Harald Bräutigam an dieser Stelle vor zwei Wochen (ZEIT Nr. 28, S. 25).

Er löste damit – wie eine Fülle von Leserbriefen zeigt, von denen wir auf dieser Seite nur einige abdrucken können – Zuspruch vor allem bei Organempfängern aus, aber auch Entrüstung bei den Kritikern der gängigen Hirntod-Definition (siehe die Artikel der Biologen und Hirnforscher Gerhard Roth und Ursula Dicke sowie des Theologen Johannes Hof! und des Mediziners Jürgen in der Schmitten, den die ZEIT in Nr. 28 bedauerlicherweise als Theologen vorstellte). Die Debatte findet mitten in einem Dilemma statt: Die Zahl verfügbarer Organe für Transplantationen geht zurück, das Vertrauen der Bürger in die Transplanteure schwindet. Gilt hierzulande uneingeschränkt nur der Ganzhirntod als Kriterium für den Tod, so fordern amerikanische Mediziner schon beim Teilhirntod, wie er bei Apallikern und anenzephalen Kindern vorliegt, den Menschen für Transplantationen freizugeben.

Bislang operieren deutsche Ärzte bei Transplantationen in einem zwar nicht rechtsfreien, aber doch gesetzlich ungesicherten Raum. Nur in der ehemaligen DDR war ihr Vorgehen genau vorgeschrieben: Sie mußten auf eine Organentnahme nur verzichten, wenn ein Widerspruch des Betroffenen schon zu Lebzeiten vorlag oder bekannt war (sogenannte enge Widerspruchslösung). In ähnlicher Weise verfahren Österreich und Belgien.

In der Bundesrepublik suchten die Ärzte vom Sterbenden oder seinen Angehörigen eine Zustimmung zu erhalten. Im Entwurf der Bundesländer, der Anfang Juli dem Bundesrat zugeleitet wurde und im September debattiert werden soll, wird eine Informationslösung angestrebt: Der Arzt weist die Angehörigen auf ihr Recht zum Widerspruch hin und handelt mit ihnen eine „angemessene Frist“ der Bedenkzeit aus, binnen deren Widerspruch eingelegt werden kann. Diese Frist würde in der Praxis vom Umstand bestimmt, daß Organe möglichst rasch nach Eintreten des Todes explantiert werden müssen. Kritiker sehen darum in der Informationslösung nur eine gemilderte Version der Widerspruchslösung. Diese Variante liegt auch einem Diskussionsentwurf zugrunde, der derzeit im Bundesgesundheitsministerium erarbeitet wird. Die gemeinsame Verfassungsreform-Kommission von Bundestag und Bundesrat empfahl, die Transplantationsgesetzgebung aus der Kompetenz der Länder in die des Bundes zu überführen. Als erstes Bundesland legte jetzt, sehr zum Ärger der übrigen Länder, Rheinland-Pfalz ein eigenes Transplantationsgesetz vor, das eine Widerspruchslösung vorsieht. Erstmals werden darin jede pekuniäre Absprache oder jeder sonstige Vorteilsausgleich zwischen Spender und Empfänger untersagt.

Anfang der Woche kündigte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, FDP, ein Gesetz gegen den Organhandel an. Es soll auch für im Ausland begangene Taten gelten. Strafrechtlich verantwortlich würde nicht nur der Händler, sondern auch der Transplanteur kommerzieller Organe, van