Spiegel-Verlag: Das Imperium schlägt ein bißchen zurück Buderus: Kaum entronnen, schon übernommen Super-RTL: Der dritte Streich aus Luxemburg

Die Lenker von Deutschlands Nachrichtenmagazin Nummer eins, dem Spiegel, sind nicht zu beneiden. Gerade hat das überaus erfolgreiche Burda-Produkt Focus gezeigt, daß der Exmonopolist auf dem deutschen Magazinmarkt durchaus angreifbar ist – Focus knabbert nicht nur an der Spiegel-Auflage, sondern auch an dessen Werbeumsatz. Da hauen andere in die gleiche Kerbe: Gleich vier neue Titel sollen den Markt aufmischen – von so potenten Konkurrenzverlagen wie Gruner + Jahr, Springer, Bauer und noch einmal Burda. Nun antwortet der Marktführer, wenn auch nur verhalten.

Was die Freunde des Montagsmagazins bisher nur in loser Folge lesen konnten, soll nun regelmäßig am Kiosk prangen: Der Spiegel-Verlag (bisherige Titel: Spiegel und manager magazin) macht aus den Sonderheften Spiegel Special von Oktober an einen eigenen Monatstitel. 7,50 Mark wird das monothematische Produkt für die „persönlichkeitsstarke Bildungsspitze“ kosten. In diesem Jahr wollen die Hamburger Strategen noch mit Themen wie „Jugend in Deutschland“ und „100 Jahre Kino“ die Zielgruppe durch das immer unübersichtlichere „Labyrinth“ aktueller Information, so der eigene Anspruch, führen.

Anspruchsvoll soll auch die Klientel sein, O-Ton Spiegel: „Sie will mehr als blättern und zuschauen.“ Wenn das kein Seitenhieb auf den reichlich oberflächlichen Focus ist.

Es ist folgerichtig, daß der schleswig-holsteinische Energieminister Claus Möller den Abteilungsleiter Reaktorsicherheit, Ministerialdirigent Gustav M. Sauer, von seinen Aufgaben entbunden hat, auch wenn der Vorgang undurchsichtig erscheint. Sauer ist nämlich ein exzellenter Fachmann, der in kritischer Distanz zur Kernenergie und insofern ganz auf der Linie der Landesregierung steht. Daß er sich aber ausgerechnet bei den Hamburgischen Electricitäts-Werken (HEW) um den Posten des Vorstandsvorsitzenden bewarb, hat allgemein überrascht. Schließlich liegen die HEW seit längerem mit der Kieler Landesregierung im Clinch. Die hatte die beiden HEW-Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel aus Sicherheitsgründen abschalten lassen und steht bei HEW im Verdacht, die angeordneten Reparaturen bewußt zu verschleppen. Der Hamburger Umweltsenator und HEW-Aufsichtsratsvorsitzende Fritz Vahrenholt lehnte Sauers Bewerbung ab und ließ seinen Kieler Kollegen Möller überdies wissen, er werde Sauer künftig für befangen erklären. Und das, obwohl auch der Stadtstaat einen moderaten Ausstiegskurs fährt. Das war sogar Sauers erklärte Absicht, als er sich bewarb. Er machte allerdings zwei entscheidende Fehler. Der eine war, daß er sich bei Vahrenholt tatsächlich Chancen ausgerechnet hat. Der zweite war, daß er seinen eigenen Minister nicht früh genug über den beabsichtigten Wechsel informiert hatte. Als Möller ihn schließlich vor die Wahl stellte, die Bewerbung zurückzuziehen oder von seinen Funktionen entbunden zu werden, zog Sauer seine Kandidatur zwar zurück, doch da war es bereits zu spät. Wollte Möller bei künftigen Rechtsstreitigkeiten nun nicht Gefahr laufen zu unterliegen, mußte Sauer von seinen Reaktoraufgaben entbunden werden. Immerhin will HEW die Kieler auf Schadensersatz verklagen. Fürs erste ist die Branche jetzt einen unbequemen Prüfer losgeworden. Kein Wunder, daß manche meinen, da sei dem Sauer eine ganz geschickte Falle gestellt worden.

S o dürfte sich der Buderus-Vorstand die Entlassung in die Freiheit wohl nicht vorgestellt haben. Kaum daß die schwer blutende Metallgesellschaft (MG) ihre knapp achtzigprozentige Mehrheit am Markt placiert hat, könnte der bisherigen MG-Tochter ein neuer Großaktionär ins Haus stehen. Als neuer Besitzer eines fünfzehnprozentigen Buderus-Pakets unterstreicht überraschend der Mannheimer Baukonzern Bilfinger + Berger sein Interesse an dem führenden Unternehmen der Heizungs-, Luft-, Klima- und Wasserreinigungstechnik.

Da die Baumanager ihr rund 230 Mittönen Mark schweres Investment kaum als bloße Finanzanlage eingegangen sind, müssen sie, um bei Buderus bestimmenden Einfluß ausüben zu können, ihr Paket wohl oder übel weiter aufstocken. Dabei dürften sie auf die zehn Prozent spekulieren, die sich ihr einziger Großaktionär, die Dresdner Bank, bei der Placierung selber gesichert hat. Immerhin ist Bankchef Jürgen Sarrazin in Mannheim Aufsichtsratsvorsitzender. Doch schon bei 25 Prozent sind Probleme mit dem Kartellamt programmiert. Denn mit der Firma Passavant-Werke AG kontrollieren die Baumanager mehrheitlich ein Unternehmen, das in einigen Bereichen unmittelbarer Buderus-Konkurrent ist. Um einem Fusionsverbot aufgrund einer marktbeherrschenden Stellung zu entgehen, müßte sich Bilfinger + Berger, wie Branchenkenner überzeugt sind, von Teilen seiner problematischen Aktivitäten wieder trennen.