In den deutschen Wertpapierbörsen hat sich das Klima aufgehellt. Ursachen sind die Stabilisierung des Dollar sowie der gestoppte Zinsanstieg am Rentenmarkt. Die Nachfrage nach deutschen Aktien ist zwar noch verhalten. Aber immerhin ist der Deutsche Aktienindex (Dax) wieder auf über 2100 Punkte gestiegen.

Börsenkenner geben allerdings zu bedenken, daß die Gefahr neuerlicher Rückschläge noch nicht völlig gebannt ist. Von einem Sturz des Dax auf 1850 Punkte, wie er in der Vorwoche von einigen Kassandras für möglich gehalten wurde, ist jedoch kaum noch die Rede. Auch deshalb nicht, weil die Folgen des gesunkenen Dollarkurses für die Unternehmensgewinne längst nicht mehr als so gravierend beurteilt werden wie bisher. Zum einen hätten sich die Unternehmen sowieso gegen Dollarverluste abgesichert, zum anderen würden diese durch Gewinnverbesserungen kompensiert werden, die sich aus dem unerwartet kräftigen Konjunkturaufwind in diesem Jahr ergeben.

Auf dem Rentenmarkt haben jene Oberwasser bekommen, die in dem zurückliegenden Zinsanstieg eine vorübergehende Erscheinung gesehen haben. Bis zum Jahreende sollen die Zinsen wieder niedriger sein. Untermauert wird diese Auffassung durch den Rückgang der Geldmenge, deren Wachstumsrate im Juni zwar entgegen mancher Erwartungen noch zweistellig war, aber nach Schätzungen der Geldmarktexperten im Juli unter die Zehn-Prozent-Marke sinken wird. Belebt hat sich das Geschäft auf dem Rentenmarkt nicht nur durch wachsende Nachfrage professioneller Großanleger, die sich noch Renditen von über sieben Prozent sichern wollen, sondern auch durch Käufe privater Kunden, die ihre Ersparnisse von Termineinlagen in festverzinslicher Werte umschichten.

Bei den Aktien kann von einem breiten Kaufinteresse noch nicht die Rede sein. Der Handel beschränkt sich auf das Fachpublikum. Und viele Aufträge sind auch nur Folgegeschäfte von Transaktionen an der Deutsche Termin-Börse, wie sich besonders am Wochenanfang bei den VW-Aktien gezeigt hat. Der widerstandsfähigere Dollar ist daneben besonders den Papieren der Großchemie zugute gekommen. Aber auch Siemens-Aktien waren gefragt, nicht zuletzt wegen einiger Großaufträge, die hereingeholt werden konnten. Sie werden allerdings das Geschäftsergebnis dieses Jahres nicht mehr beeinflussen. Und das wird nach den Vorstellungen des Vorstandes allenfalls stagnieren. K. W.