Immer wenn Bundesverteidigungsminister Volker Rühe zu Reformschritten antritt, geht es ihm wie beim Truppenbesuch in Somalia: Er kommt ins Stolpern. Damals, so der Minister, lag es an seinen Halbschuhen. Diesmal, so stellt die Europäische Management- und Marketing-Agentur (EMMA) fest, liegt es an seiner Halbherzigkeit und an mangelndem Geschick, die divergierenden Vorstellungen der Bonner Parteien und die diffuse Weltlage zu einem durchschlagenden Konzept in der Preislage von 47,5 Milliarden Mark zu verschmelzen. EMMA ist das gelungen. Als Ergebnis wird die „Leitlinie Soldat 2000“ (Hardthöhe-Jargon: „EMMA-Linie“) vorgelegt.

Wird Volker Rühe die „EMMA-Linie“ umsetzen? Er hat keine Wahl. Denn es geht nicht nur um die Bundeswehr. Es geht um seine politische Zukunft. Diese wird durch die „EMMA-Linie“ abgesichert. Die Reform setzt im Zentrum an: auf der Hardthöhe. Keine „peanuts“ (wie die Eingliederung der Sozialabteilung in den Personalbereich), sondern Auflösung der Gesamtstruktur des BMVg und Aufbau von sechs Hauptabteilungen, Zwei Hauptabteilungen werden als Profitcenter organisiert. Auch als Freundschaftssignal an die Wirtschaftspartei FDP. Jeweils zwei Hauptabteilungen werden zu Kommandobereichen unter Leitung von Staatssekretären zusammengefaßt. Damit ergibt sich folgende Organisationsstruktur:

Kommandobereich A

Hauptabteilung I: Hochmobile Einheiten für internationale Operationen unterhalb und oberhalb der Schwelle bewaffneten Einsatzes (je nach Welt- und Verfassungslage) mit humanitären Komponenten. Das freut den UN-Generalsekretär sowie den Bundesaußenminister, weil es ihn einem Sitz im Sicherheitsrat näher bringt.

Hauptabteilung II: Hauptverteidigungskräfte, vor allem zur Landverteidigung, in Friedenszeiten auch als Arbeitsplatzbeschaffungs- und Ausbildungsförderungsmaßnahme. Die Berücksichtigung sozialdemokratischer Vorstellungen zu Wehrgerechtigkeit usw. sichert den Wehrfrieden mit der SPD.

Kommandobereich B

Hauptabteilung III: Umweltschutztruppen als ökologische Schule der Nation und Friedenssignal an die Grünen. Leitfigur: die glückliche Kröte in der verschlammten Panzerspur. Zielansprache: ökologische Nischen für Fischotter, Eisvögel, Schwarzstorch usw. durch Doppelfunktion von Manövergelände als Naturschutzpark (z.B. Schutz von Orchideen vor Blumenfans). Diese neue Position der Bundeswehr wird auf Umweltforen bereits offensiv mit Erfolg vorgetragen.