Darf man den markigen Worten der Wettbewerbshüter in Brüssel und Washington glauben, dann ist ihnen ein großer Sieg im Namen der Marktwirtschaft gelungen. Es sei ein Modell geschaffen worden, so heißt es, das zeige, wie zwei Behörden ihre Kräfte bündeln könnten, um gemeinsam multinationale Giganten in ihre Schranken zu weisen.

Starker Tobak.

Der mächtige Anbieter, um den es in diesem Fall geht, heißt Microsoft. Vier lange Jahre brauchten die Behörden, um dem größten Softwarehersteller der Welt ein Abkommen abzuringen. Darin verspricht der Milliardär und Microsoft-Chef Bill Gates, von umstrittenen Praktiken bei der Lizenzvergabe Abschied zu nehmen. Dabei geht es um Betriebssysteme, die in Personalcomputern (PC) als zentrale Software die internen Abläufe steuern. Künftig wird den PC-Herstellern dieser Welt die Entscheidung erleichtert, auch andere Systeme als die von Microsoft in ihre Maschinen einzubauen. Die Frage ist nur: welche?

Offensichtlich ist den Marktwächtern entgangen, was sich während ihres jahrelangen Aktenstudiums getan hat. Microsoft ist mittlerweile de facto Monopolist in diesem Geschäft. An ihn zahlen (fast) alle, die Computer verkaufen.

Betriebssysteme lassen sich aber nicht so einfach wie ein neuer Autotyp am Markt etablieren. Der Grund: Computerbenutzer steckten weltweit viele Milliarden in Programme, die nur auf den Systemen von Microsoft laufen. Selbst die Marktmacht von IBM reichte deshalb bislang nicht aus, um die Vorherrschaft von Gates zu brechen.

Bei dem weltgrößten Computerhersteller dürfte das niemanden wundern. Schließlich machte auch IBM viele Jahre lang die fürs Topmanagement äußerst angenehme Erfahrung: Wird der Markt erst dominiert, profitiert es sich ganz ungeniert. lüt