Mönchlein, du gehst einen schweren Gang. So möchte man Reinhard Höppner mit Luther zurufen, wenn er nun Sachsen-Anhalt regieren will. Eine Minderheitsregierung: schwierig. Rotgrün: erst recht schwierig. Mit offener Flanke zur PDS: mehr als schwierig...

Das Wutgeheul der Union wirkt allerdings ziemlich aufgesetzt: mehr klammheimliche Freude über ein gefundenes Wahlkampfthema für den Westen als echte Sorge um den Osten. Die ostdeutsche CDU verhält sich auffallend vorsichtiger. Die Zusammenarbeit mit dem Erblasser SED ist ihr ja vertrauter als der dortigen SPD der Umgang mit den Erben von der PDS. Und wie oft hat die CDU schon mit der PDS gegen Sozialdemokraten gekungelt. Im Osten wird man offenbar nicht so schnell rot.

In Magdeburg schicken sich jetzt jene Kräfte zu regieren an, die in der Wende von 1989 allein auf weiter Flur gegen Honecker antraten – die damals neu gegründete Ost-SPD und das Bündnis 90. Wie konnten sie diesen Ruf auch nur andeutungsweise in Gefahr bringen? Eine ruhmreiche Vergangenheit, lauter Feinde und Probleme, aber verdammt wenig Erfahrung – selbst einem Martin Luther fiele es schwer, solche Tiger zu reiten. R.L.