Buddhisten und Hindus haben keine religiösen Bedenken, Teile ihres Körpers für Transplantationen zur Verfügung zu stellen. Derartige Spenden gelten den Buddhisten als höchste Form, Verdienste für das nächste Leben zu erwerben, denn mit Organspenden kann Leben gerettet werden. Ähnlich denken die Hindus. Der Körper selbst und seine Organe werden als nicht so wichtig betrachtet.

Anders die Chinesen: Ihre Tradition fordert, daß der Körper unversehrt begraben werde, damit der Geist seine Ruhe finde. Selbst wenn sich ein Chinese schriftlich für Organspenden zur Verfügung stellt, können Verwandte diese Entscheidung rückgängig machen. Im übrigen gilt hier wie überall: Jüngere stehen Organspenden aufgeschlossener gegenüber als ältere.

Umstritten ist die Organspende im Islam. Dem Körper sollte nichts entnommen werden, auch dem toten nicht, sagen die Schriftausleger, die Ulema. Er müsse intakt für die Wiederauferstehung sein. Auf keinen Fall dürfe ein Organ an einen Nichtmuslim, einen Ungläubigen, weitergegeben werden. Dennoch propagieren manche Staaten, wie etwa Malaysia, daß Körpern zumindest dann Organe entnommen werden können, wenn sie als klinisch tot gelten. Singapur hat 1987 ein Gesetz erlassen, nach dem tödlich verletzten Verkehrsopfeirn Nieren entnommen werden dürfen, wenn der Verunglückte nicht vorher ausdrücklich schriftlich festgelegt hat, daß dies nicht geschehen solle. Doch kaum jemand macht von dieser Möglichkeit Gebrauch, mit der Folge, daß Singapur die höchste Nierenspenderrate in Asien hat.

In Hongkong versuchte man daraufhin, ein ähnliches Gesetz zu erlassen, nahm dann aber Abstand, weil dies einen „totalitären Geruch“ gehabt hätte. Nicht glücklich freilich ist man in der Kronkolonie darüber, daß die meisten Organempfänger ins benachbarte China reisen, wo die devisenhungrigen Behörden einen schwunghaften Handel mit den Organen frisch hingerichteter Häftlinge betreiben.

Im buddhistischen Sri Lanka ist Organhandel gesetzlich verboten. Die Organmafia aber hat einen grausigen Weg gefunden, das Gesetz zu umgehen: Während des brutalen Vorgehens gegen die aufständische Volksfront unter dem im vergangenen Jahr ermordeten Präsidenten Premadasa wurden immer häufiger getötete JVP-Angehörige in den Straßengräben gefunden, denen Nieren, Augen oder Haut fehlten. Der Aufstand ist inzwischen niedergeschlagen, und nun machen sich die Organgeier über die Opfer des Bürgerkriegs zwischen Tamilen und Singhalesen her.

Die Singhalesen ihrerseits glauben, daß derjenige, der nach seinem Tod seine Augen spendet, einen Platz in der Nähe Buddhas erhält. 585 000 Menschen haben bisher gelobt, ihre Augen zur Verfügung zu stellen. In der Vergangenheit sind über 30 000 Augen in sechzig Länder exportiert worden.

In der Bundesrepublik Deutschland haben sich alle Transplantationszentren dazu verpflichtet, gehandelte Organe weder zu entnehmen noch einzupflanzen. Verstöße gegen diese Eigenbindung sind bisher nicht bekannt geworden. Die geplanten strafrechtlichen Regelungen des Justizministeriums, die diese Woche in Bonn präsentiert wurden, sollen sich auch auf Handlungen im Ausland erstrecken. vy/DZ