Ein trauriger Scherz zeigt zwei Männer an einer Bar-Theke beim Wein, während der eine dem anderen gerade anvertraut: „Das einzige, was ich noch in meinem Leben hab’, ist mein Daimler.“ Scherze kommen beim Bundesverfassungsgericht nur selten vor, aber, die Sachverhalte, um die es dort geht, sind bisweilen recht traurig.

„Das einzige, was ich noch in meinem Leben hab’, ist meine große Villa“, dies etwa hätte ein älterer Mann zu den Karlsruher Richtern sagen können. Denn sein einst florierendes Unternehmen war ihm unter den Händen zerronnen, seine Gläubiger hatten den Rest unter sich aufgeteilt, jetzt lebte er von einer Rente von 321 Mark, seine Kinder unterstützen ihn.

Aber er lebte inmitten eines großen Gartens in jenem „repräsentativen Wohnhaus“, das ihm freilich auch längst nicht mehr gehörte. Einer Bank war es im Konkurs zugeschlagen worden, sie wollte es versilbern, nachdem der Mann weder Miete zahlte noch irgendwelche Anstalten machte, das Grundstück zu räumen. Es sei der Rest seines Lebenswerks, so etwa sagte er. Und er werde sich das Leben nehmen, wenn er auch diesen Rest noch verlieren würde.

Haus oder Leben, das war hier die Frage. Das zuständige Landgericht nahm den Gesundheitszustand des Siebzigjährigen zwar ernst. Er litt, das hatten ihm die Ärzte attestiert, an Herzbeschwerden, und auch die Selbstmordabsichten klangen den Richtern nicht wie eine leere Drohung. Dennoch entschieden sie zugunsten der Bank, da ein Schuldner nicht auf diese Weise Bilanz ziehen dürfe: Auch ohne das vertraute Haus habe das Leben durchaus einen Sinn.

Mehr Verständnis fand der Mann beim Bundesverfassungsgericht, wo man jene Vorschrift des Zivilprozeßrechts noch einmal unter die Lupe nahm, die sich mit „besonderen Härten“ bei der Zwangsvollstreckung befaßt. Selbstmorddrohungen wiegen besonders schwer bei Richtern, die zugleich mit der Verfassung auch das Leben hüten müssen. So haben sie einmal einem Mann die Scheidung versagt, weil seine Frau sich sonst das Leben nehmen wollte. Und sie haben auch einem alten Mann den Auszug aus einer Mietwohnung erspart, weil seine Gesundheit dies wohl nicht mitgemacht hätte.

Auch bei dem alten Mann in seiner Villa wollen die Verfassungsrichter noch einmal gründlich geprüft wissen, wie ernst es ihm mit seiner Drohung ist. Und so wird jetzt ein Psychiater ein Urteil fällen müssen wenn man so will, in allerletzter Instanz.

Lebensschutz geht vor Gläubigerschutz, aber wie lange eigentlich? Vielleicht sogar – lebenslang? Notfalls, dies steht zwischen den Zeilen der Entscheidung, muß der Mann in einer psychiatrischen Klinik bleiben, bis er stabil genug ist, den Verlust seines Hauses zu verkraften.