Er betont, daß in Ungarn mit modernsten technischen Geräten und den gleichen Materialien gearbeitet wird wie im Westen. Die bei Brandt angestellte Zahnärztin Csilla Holzer versichert: "Wir stellen den Patienten offizielle Rechnungen und Zertifikate über die verwendeten Materialien aus, die von den meisten Krankenkassen in Österreich und Deutschland anerkannt werden." Der Preisunterschied des ungarischen Zahnersatzes resultiert vor allem aus den niedrigeren Löhnen. Ein angestellter ungarischer Zahnklempner verdient im Monat rund 700 Mark – soviel wie ein fleißiger Wiener Zahnarzt an einem Tag.

Sopron ist eine Goldgrube für Zahnärzte. Deren Zahl hat sich in fünfzehn Jahren verzwölffacht. Seit es nach der politischen Wende mit der ungarischen Wirtschaft bergab geht, kann sich – abgesehen von den Profiteuren der Marktwirtschaft – kaum ein Ungar leisten, eine private Zahnpflege aus der eigenen Tasche zu bezahlen. Den Zahnärzten fehlte die Kundschaft, kämen sie nicht aus allen Ecken des Pußta-Landes hierher, um in der kleinen Grenzstadt mit den Zahnreparaturen der Ausländer ihr Geld zu verdienen. Fast jede Woche werden in einer neueröffneten Praxis die Bohrer angeworfen. "Die kommen her", unkt ein einheimischer Doktor über seine Kollegen, "und glauben, morgen sind sie Millionär." Nicht jeder seiner Kollegen, behauptet der Arzt, arbeite wirklich sorgfältig und seriös. Den Hang zum Schludern würden auch die Östereicher begünstigen, die bisher achtzig Prozent der Kunden stellen. Denn: "Denen kann es gar nicht billig genug sein."

Der Erfolgsdoktor Szilágyi tauchte bereits vor acht Jahren in Sopron auf, wo er – schon zu Zeiten des Gulasch-Kommunismus den Blick fest nach Westen gerichtet – sogleich daranging, zielsicher ein diversifiziertes Unternehmen aufzubauen. So betreibt er neben dem "Pannonia" ein florierendes Dentallabor, in dem Kronen, Brücken, Inlays und Implantate mit modernsten und teuersten Apparaturen aus dem Westen hergestellt werden. Trotz der kostspieligen Investitionen kann der Medizin-Manager billig sein: Ihm kommen der Währungsverfall des Forint und Niedrigstlöhne zugute. Ein Zahntechniker verdient hier weniger als 300 Mark im Monat.

Während Szilágyi stets von den "hochgeschätzten und ehrenwerten" Kollegen aus dem Westen spricht, bezichtigen diese ihre ungarische Konkurrenz gern pauschal der Inkompetenz und Pfuscherei. Denn der Exodus ihrer Kunden ins Pußtaland beunruhigt sie sehr. Vor allem prangern sie, da Ärzte im deutschen Sprachraum nicht werben dürfen, die unkonventionellen Marketingmethoden der Billiganbieter von jenseits der Grenze an. Immer wieder finden Wiener Autofahrer Handzettel hinter ihren Scheibenwischern, die für die Soproner Konkurrenz werben, inklusive eines Gutscheins über 200 Schilling. Als Retourkutsche versuchten Zahnärzte aus Wien und Niederösterreich, Dentaltouristen, bei denen Nachbehandlungen erforderlich waren, abzulehnen.

Die Anwürfe der verärgerten österreichischen Kollegen ließen den mediengewandten Profi Szilägyi bisher jedoch kalt. Immerhin weiß der graumelierte Mittfünfziger, daß auch Zahnärzte aus Österreich und aus Deutschland in seinem Labor preisgünstig Zahnersatz fertigen lassen, um ihn dann bei ihren Kassen – manchmal auch zu überhöhten Preisen – abzurechnen.

Erfolg schafft Neid. Kollegen aus Sopron werfen Szilágyi vor, in seiner "Zahnfabrik weniger auf Sorgfalt, sondern vor allem auf den Umsatz zu schauen". Mit "viel Hokuspokus", Video- und Computeranalysen würden die Patienten geblendet. Dem steht das Urteil seiner Patienten entgegen. "Einfach traumhaft", schwärmt eine gepflegte Dame mittleren Alters aus der Wiener Neustadt. Sie hat sich bei Dental-Pannonia den Oberkiefer komplett mit Porzellankronen sanieren lassen. "Anstatt 150 000 Schilling, die mein Zahnarzt daheim haben wollte, muß ich hier nur 35 000 bezahlen." Besonders begeistert ist sie von der einfühlsamen Betreuung: "Soviel Zeit wie hier nimmt sich in Österreich niemand."

Carla Svensson aus Uppsala reist bereits seit neun Jahren der Zähne wegen nach Ungarn. "Hier bekomme ich hervorragende Goldfüllungen." Und von dem Geld, das sie dabei spare, könne sie auch noch einen prima Urlaub in Ungarn machen. Ihr schwedischer Zahnarzt jedenfalls sei von der Arbeit bei Dental-Pannonia schwer angetan. Viele Patienten Szilägyis kommen auf Empfehlung von Freunden oder Arbeitskollegen. So ist seine Kartei seit 1990 auf 7900 Kunden angewachsen – und Tag für Tag werden es mehr, die sich nach einer gratis vorgenommenen Voruntersuchung mit einem Kostenanschlag auf den Heimweg machen.