Willkommen

Der in die Türkei abgeschobene Kurde Riza Askin darf zurück in die Bundesrepublik. Das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge entschied, den Ablehnungsbescheid vom November 1993 aufzuheben und eine erneute Anhörung zuzulassen. Als Grund gibt das Bundesamt eine „neue Beweislage“ an, die sich aus der ZEIT-Reportage „Aus Deutschland in die Folterkammer“ (Nr. 24/1994) ergeben hat. Anhand von Protokollen und Gutachten, die der Redaktion vorliegen, dokumentierten wir das Schicksal des 28jährigen Kurden, der einen Tag nach seiner Abschiebung aus Bruchsal in die Hände der Staatssicherheitspolizei in Istanbul geriet. Wie Askin allerdings in die Bundesrepublik zurückkehren soll, ist unklar. Sein Verfahren vor dem Staatssicherheitsgericht in Istanbul (wegen „Unterstützung einer bewaffneten Bande“) ist noch nicht abgeschlossen. Askin drohen bis zu sieben Jahre Haft. Die Menschenrechtsorganisation amnesty international wird den Fall in ihren nächsten Themen-Bericht zur Lage der Kurden in der Türkei aufnehmen. Ob er die Mitarbeiter des Bundesamts und die Verwaltungsrichter zu behutsameren Entscheidungen anregen wird?

Lebewohl

Die Westgruppe der russischen Streitkräfte verläßt in diesem Sommer unser Land. „Lebewohl, Deutsche Mark“, titelte aus diesem Anlaß die Moskowskije Nowosti (Moscow News) auf der ersten Seite und ließ den Befehlshaber Matwej Burlakow zum Taschentuch greifen. Ein Hieb unter die Gürtellinie – aber nicht ohne Hintergrund: Denn in der gleichen Ausgabe dokumentiert die Wochenzeitung das „Big Business der Generäle“. Die trieben schwunghaften Handel mit steuerfreien Zigaretten und Alkoholika und boten auf dem Schwarzmarkt Waffen an: alles von der Kalaschnikow bis zum Jagdflugzeug MiG-29. Der Abschied der Westgruppe bedeutet jedoch nicht das Ende des großen Geschäfts. Die allgegenwärtige Mafia, so Moskowskije Nowosti, wird das Erbe würdig weiterführen.