Mit ihrer Vorwahlwerbung haben die alten Parteien kein Glück. Stumpfsinnig das SPD-Plakat, auf dem in Blocklettern dreimal das Wort „Arbeit“ steht. Auf welche Weise, bitte? Die CDU-West hält derweil eigensinnig an dem Poster mit der roten Socke fest, obwohl immer mehr Leute sie warnen, ungewollt Reklame für die Ost-Partei zu machen. Die PDS lacht sich denn auch ins Fäustchen.

Und nun die FDP. In den traditionellen blau-gelben Farben verkündet sie: „Diesmal geht’s um alles.“ Das kann man sowohl auf die FDP im allgemeinen als auch auf die Regierungspartei im besonderen beziehen. Aber wann wäre eine Bundestagswahl von den Parteien nicht zur Schicksalswahl hochstilisiert worden?

Auf allen Plakaten präsentiert sich die FDP als „die Kraft der Vernunft“. Was das heißen soll? Drei sogenannte Themenplakate geben großzügig Auskunft: „Aufschwung sichern. Leistung wählen“. Oder „Gegen Steuern gegensteuern!“ Und: „Zukunft wagen. Liberal wählen“.

Kreativ, frech und pfiffig wollen die Freien Demokraten im Wahlkampf sein, hatte ihr Generalsekretär Hoyer angekündigt. Na ja.

Sehr inspirierend war auch die Sondersitzung des Bundestages zum Karlsruher Urteil über Auslandseinsätze der Bundeswehr nicht. Das ist um so erstaunlicher, als das Plenum gut besetzt war, einschließlich einiger Redeelefanten. Aber fast die ganze Debatte drehte sich darum, wer mit welchen Ergebnissen das Verfassungsgericht angerufen hatte. Die FDP wollte ihr Profil schärfen, was ihr der Kanzler großmütig gewährte. Aber es wäre schön gewesen, wenn die Abgeordneten nicht nur taktische Spielchen getrieben, sondern das ein oder andere Wort auch über die Hintergründe weltweiter Blauhelmeinsätze verloren hätten, zum Beispiel über die wachsenden Konflikte in der Dritten Welt. Darauf gingen aber nur wenige Redner ein, Gregor Gysi war einer von ihnen.

So bleibt von der Debatte nur in Erinnerung, daß die Bundestagsparteien, namentlich FDP und SPD, sehr schlau sind.

Der neue Schindler ist da. Nein, nicht der, an den man jetzt immer denkt. Sondern das von Peter Schindler in der Parlamentsverwaltung akribisch zusammengestellte „Datenhandbuch zur Geschichte des Bundestages 1983 bis 1991“. Schon die drei vorhergegangenen Bände waren eine Fundgrube. Nun ist auf fast 2000 Seiten die Entwicklung noch über die erste gesamtdeutsche Wahl hinaus festgehalten. Gäbe es den Schindler nicht, man müßte ihn schleunigst erfinden.