An den deutschen Wertpapierbörsen konnte sich immer noch keine eindeutige Tendenz durchsetzen. Das liegt nicht nur an der alljährlichen Sommerflaute, sondern mehr noch an den unterschiedlichen Anlageempfehlungen der Kreditinstitute. Während die einen den Weg des Deutschen Aktienindex (Dax) nach oben frei sehen, schließen andere einen Rückschlag nicht aus und raten deshalb ihrer Kundschaft, vorerst ihr „Pulver noch trocken zu halten“. Auffällig ist, daß immer mehr Banken den Ausgang der Bundestagswahl im Oktober als Risikofaktor anführen. Ein Hinweis, der vor allem von Ausländern ernst genommen wird.

Auch am Rentenmarkt haben Auslandskäufe stark abgenommen. Das mag damit zusammenhängen, daß die Zinssenkungsphantasie mit dem Beschluß der Bundesbank, die nächsten vier Mengentender zu je 4,85 Prozent auszuschreiben, zumindest stark reduziert ist. Hoffnungen richten sich jetzt auf die nächste Zentralbankratssitzung am 18. August. Dann – so meinen viele Rentenhändler – könnte eine geringe Leitzinssenkung erfolgen.

Um im Geschäft zu bleiben, greift der Berufshandel jede sich bietende Anregung auf. In dieser Woche nahm er die günstigen Absatz- und Produktionsprognosen der Autoindustrie zum Anlaß, sich mit Autoaktien einzudecken. Viel beachtet wurde, daß die Gewinnprognosen für Daimler außerplanmäßig heraufgesetzt worden sind. Der festere Dollar lenkte das Interesse auf die Papiere der Großchemie.

Endlich beginnt auch der Siemens-Kurs zu steigen. Die Analysten sehen sich nach Veröffentlichung des Ergebnisses für die ersten neun Monate des am 30. September endenden Geschäftsjahres in ihren vorsichtigen Gewinnschätzungen bestätigt, sagen aber für 1994/95 eine deutliche Ertragssteigerung voraus, die Siemens aus heutiger Sicht zu einer der preiswertesten deutschen Standardaktien macht.

Der Kurssturz der KHD-Aktie, ausgelöst durch die inzwischen dementierte Nachricht über ein bevorstehendes Vergleichsverfahren, hat die Börsianer nicht sonderlich aufgeregt. Die KHD-Aktie gilt seit Jahren als hochspekulatives Papier, deren Inhaber Kummer gewöhnt sind. Immerhin liegt sein Kurs aber auch nach dem jüngsten Rückschlag noch um rund 17 Prozent höher als am Jahresbeginn. In der gleichen Zeit hat der Dax knapp sechs Prozent an Wert verloren. K.W.