Vor 35 Jahren gab die Britische Eisenbahn offiziell ihre Dampflokomotiven auf, und doch befahren auf über 300 Kilometern erhaltener Schienen etwa 1200 Veteranen die schönsten Strecken.

Zu den berühmtesten der alten Züge zählt die Talyllyn Railway in Wales. Sie verkehrt ohne Unterbrechung seit 1865, transportierte zunächst Schiefer und fährt seit den fünfziger Jahren Touristen zwölf Kilometer durch die hügelige walisische Landschaft. Die Talyllyn Railway gehört zu den vierzehn Great Little Trains of Wales, die einmal Holz, Kupfer, Gold, Blei, Schiefer, Kohle, Viehfutter und Düngemittel auf einem Schienennetz von ungefähr 110 Kilometern beförderten. Die kleinste Bahn windet sich zwanzig Minuten die Küste, eine andere sechs Kilometer den idyllischen Bala-See entlang.

Wer mühelos auf den höchsten Berg von Wales, den Snowdon, möchte, ist in einer guten Stunde per Zahnradbahn auf dem Gipfel. Man muß allerdings in der Hauptsaison an Wochenenden mit einer ein- bis zweistündigen Wartezeit rechnen, ehe man einen Platz in einem der Züge bekommt. Die Tour kostet rund 32,50 Mark.

Zwischen Sheffield Park und Horsted Keynes, Sussex, 65 Kilometer südlich von London, schnauft auf einer 8-Kilometer-Strecke die Bluebell Railway. Sie heißt so, weil im Frühling Teppiche von blauen Wiesenglockenblumen die Schienen einrahmen. Die Bahnhöfe, an denen Blumenkörbe hängen und 120 Jahre alte Emailreklametafeln, verströmen viktorianische Atmosphäre. Wie fast überall werden die Fahrten von Ostern bis Oktober täglich veranstaltet, im Winter, wenn überhaupt, nur am Wochenende. Kostenpunkt um die 20 Mark.

Die Brüder Clive und John Groom, der letztere einmal Dampflokomotivführer bei British Rail, veranstalten Kurse, um den Umgang mit Dampflokomotiven zu erlernen. Ein fünftägiger Kursus kostet 390 Pfund (1000 Mark). Wer im sleeping coach des Zuges schlafen will, zahlt 32,50 Mark pro Nacht, für Bed-and-Breakfast 45 Mark. Die ersten beiden Tage sind die Eleven jeweils acht Stunden, die nächsten zwei zehn und am letzten Tag zwölf Stunden beschäftigt. Auskunft: Clive Groom, 40 Sidney Road, South Norwood SI2 55NB.

Nicht nur private Unternehmen, auch die Britische Eisenbahn unterhält etwa zwei Dutzend Scenic Railways. Manchmal werden diese Züge noch auf Schmalspur von Dampflokomotiven gezogen. Eine der ältesten Dieselbahnen von British Rail fährt in Cumbria von Settie nach Carlisle. Südlich von Appleby bietet sich den Fahrgästen ein Blick auf das gesamte Eden Valley. Dann überquert die Bahn das Ribblehead-Viadukt. Mitten im nordwestenglischen Lake District, den viele Engländer als die schönste Ecke ihres Landes bezeichnen, verkehrt die Ravenglass-Eskdale-Schmalspurbahn mit offenen Wagen.

Die wohl reizvollsten Routen erlebt der Bahnreisende mit British Rail von Inverness nach Kyle of Lochalsh und von Fort William nach Mallaig – beides Häfen an der Westküste des schottischen Hochlandes. Auf der nördlichen Inverness-Kyle-Route (drei Stunden) geht es vorbei an Bergen und Seen, auf der noch schöneren Mallaig-Route (eine Stunde vierzig Minuten) am Ben Nevis, Britanniens höchstem Berg. Die Strecke führt weiter über das erste Zementviadukt der Welt bei Glenfinnan und dann entlang der mal felsigen, mal sandigen Küste. Die Züge werden betrieben von zwei mit Liebe restaurierten Black-Five-Loks.