Von Heinz Blüthmann

Der kommende Weltmeister in der Königsklasse des Motorsports – der Formel 1 – muß sich dieser Tage einiges gefallen lassen. „Der Schumacher ist kein Star. Dazu fehlt ihm noch einiges“, mosert Bernie Ecclestone über den erst 25jährigen mit dem Milchgesicht, der bereits sechs der bisherigen acht Rennen dieser Saison gewann. Formel-l-Macher und Großverdiener Ecclestone urteilt über den ersten Deutschen überhaupt, der gute Aussichten hat, den Weltmeister-Titel zu holen: „Ich halte ihn noch nicht für so wichtig. Er ist nur der beste Fahrer im schnellsten Auto.“

Einen triumphierenden Michael Schumacher wollen unbedingt auch seine Fans am Sonntag in Hockenheim erleben, wo das einzige deutsche von insgesamt sechzehn WM-Rennen gefahren wird. Alle 85 000 Karten für zusammen 21 Millionen Mark sind seit Wochen vergriffen. Allerdings: Selbst wenn Schumacher als Erster durchs Ziel kommt, muß er um den Titel noch bangen. Denn das oberste Sportgericht des Automobil-Weltverbands FIA in Paris verhängte am Dienstag dieser Woche eine schwere Strafe gegen den Deutschen. Weil er beim letzten Lauf im englischen Silverstone die schwarze Flagge der Rennleitung mißachtete und nicht sofort an der Box bremste, sperrte ihn die FIA für zwei Grand-Prix-Wettbewerbe und zog ihm außerdem sechs wertvolle Punkte von seinem WM-Konto ab.

Die Regeln in der Vollgasbranche sind streng. Doch das Geschäft kennt auch feine Unterschiede. Momentane Spitzenreiter wie Schumacher sind nicht notwendig die weltweit faszinierenden Stars, die für das Marketing von Zigaretten, Jeans, Computern und Sportartikeln rund um den Globus gebraucht werden. Denn nur darum geht es im Formel-l-Zirkus, der von den Werbeetats internationaler Konzerne lebt, und das nicht schlecht.

Der britische Rennstall Benetton-Ford, der zum gleichnamigen italienischen Textil- und Sportartikelkonzern gehört, zahlt Schumacher mehr als sechs Millionen Mark jährlich für seine Fahrkünste. Und noch einmal gut zehn Millionen Mark pro Jahr kassiert Schumacher von seinen persönlichen Sponsoren, den Dekra-Sachverständigen, TAG-Heuer (Uhren), Ford, RTL, Bell (Helme) und Mizuno (Schuhe). Schumacher kommt damit auf etwa fünfmal so hohe Einkünfte wie beispielsweise Edzard Reuter, der den größten deutschen Industriekonzern, Daimler-Benz, führt. Aber, meint Renaults Sport-Manager Patrick Faure, der Schumacher „könnte doch die Champs-Elysees rauf- und runtermarschieren, ohne daß ihn jemand erkennt“.

Ganz anders der britische Haudegen Nigel Mansell, Weltmeister von 1992, der nicht nur in seiner Heimat, sondern auch in Frankreich einen legendären Ruf genießt. Das englische Williams-Team und sein Motorenlieferant Renault wollen Mansell deshalb auch so bald wie möglich aus den Vereinigten Staaten, wo er in der nationalen Indy-Car-Rennserie ohne den ganz großen Erfolg fährt, in die Formell zurückholen. Teamchef Frank Williams, seit 1986 nach einem Autounfall querschnittsgelähmt und an den Rollstuhl gefesselt, steht unter Druck von Renault und seinem Hauptsponsor, dem Tabakkonzern Rothmans, der in diesem Jahr zum ersten Mal bei der Formel 1 mitmischt und allein einen zweistelligen Millionenbetrag in Dollar zum Williams-Budget beisteuert.

Renault und Rothmans brauchen einen Publikumsmagneten wie Mansell als Werbeträger, denn ihr Superstar Ayrton Senna, dreifacher Weltmeister mit dem Mythos der Unverwundbarkeit, raste im Mai dieses Jahres auf der Rennstrecke von Imola in den Tod. Der zweite Fahrer im Team Williams-Renault, Dämon Hill, schlägt sich zwar wacker und liegt in der WM-Wertung hinter Schumacher auf Platz zwei, aber er ist kein Star, wie ihn die Werbemanager lieben. Der ebenfalls dreifache Formel-l-Weltmeister Niki Lauda, heute Berater des Ferrari-Rennstalls, sieht es ganz nüchtern: „Für Rothmans rechnet sich die Investition in Williams auf keinen Fall.“