Von Erika Martens

Der Startschuß fällt am 1. August, aber das Rennen um Arbeitsplätze kann dann noch längst nicht beginnen. Mit dem historischen Datum, an dem in Deutschland das Monopol der Bundesanstalt für Arbeit fällt und private Arbeitsvermittler zugelassen werden, ändert sich für Anbieter und Nachfrager auf dem Arbeitsmarkt fürs erste gar nichts.

Das Gesetz hat zwar alle Instanzen passiert, die Verordnung ist erlassen, und die Antragsformulare sind gedruckt, aber die Lizenzen, die von den Landesarbeitsämtern erteilt werden, lassen vermutlich noch eine Weile auf sich warten. Immerhin gab es bei der Behörde bislang schon etwa 1900 Interessenten für den neuen Dienstleistungszweig. "Selbst wenn die Bearbeiter nur zwei Tage für jede Genehmigung brauchen, dauert es noch Monate, bis alle loslegen können", schätzt Jürgen Uhlemann, Geschäftsführer des Zeitarbeitsunternehmens Adia in Deutschland, und hofft inständig, daß "die wenigstens bei A anfangen".

Uhlemann steht wie viele andere Bewerber schon ungeduldig in den Startlöchern. Seit Monaten bereiten sich Personal- und Wirtschaftsberater, Zeitarbeitsunternehmen und Fortbildungsfirmen, aber auch Beschäftigte in Personalabteilungen, die künftig auf eigenen Füßen stehen wollen, fieberhaft vor, um in dem neuen Markt bestehen zu können. Die Genehmigung zur privaten Arbeitsvermittlung kann bekommen, wer einen guten Leumund hat, in geordneten finanziellen Verhältnissen lebt und über ausreichende Büroräume verfügt. Außerdem braucht der Bewerber mindestens eine dreijährige Berufserfahrung, alternativ ein Hochschulstudium plus dreijährige Tätigkeit.

Adia-Chef Uhlemann, der zusammen mit sechs anderen großen Zeitarbeitsunternehmen Anfang März den Bundesverband Personalvermittlungen (300 Mitgliedsfirmen) gründete, rechnet damit, daß insgesamt rund 10 000 neue Arbeitsplätze entstehen werden. Der Verein mit Sitz in Bonn will die seriösen Firmen vertreten, betont Hauptgeschäftsführer Gert Denkhaus und verweist auf die Achillesferse der Branche: die große Versuchung, Geld für die Vermittlung nicht nur, wie das Gesetz es vorschreibt, von den Arbeitsplatzanbietern, sondern auch von den Arbeitsplatzsuchenden zu kassieren. Die Höhe der Gebühr steht noch nicht endgültig fest. Adia-Chef Uhlemann denkt an 1,5 Monatsgehälter. "Aber wer weiß heute schon, was wir am Markt durchsetzen können."

Der Bonner Verband legt Wert darauf, nicht mit einer anderen Neugründung verwechselt zu werden, dem Verband privater Arbeitsvermittler und Personalberater (VPAP). Der VPAP lasse "nicht erkennen, daß er die legitimen Interessen der neuen Dienstleistungsbranche wahrnimmt".

Futterneid oder berechtigte Skepsis? Meinrad Müller, Gründer des VPAP, tippt auf Futterneid. Sein Verband habe nicht nur mehr Mitglieder (rund 600), er sei auch in der Presse mehr beachtet worden. Und an seiner Seriosität will der Verband natürlich keinen Zweifel aufkommen lassen. Seine Mitglieder seien "alle Spezialisten", betont Müller. Da werde es keinen Gemischtwarenladen geben wie bei den Zeitarbeitsfirmen. Er selber sei Chemiker und werde eine Vermittlung für Chemiker und Physiker einrichten, seine 13. Firma.