Strahlende Sonne über Korfu und eine gestreßte Reiseveranstalterin: Seit zwei Tagen bemüht sie sich um ein Visum für mich. Für einen Ausflug nach Albanien, genauer gesagt, nach Agioi-Saranda. Das liegt gleich gegenüber von Korfu. Albanien ist hier nur zwei Kilometer entfernt von Griechenland. Wenn man schon in der Nähe ist, sollte man die Gelegenheit nutzen für eine Stippvisite in Karl Mays „Land der Skipetaren“.

Der Bus bringt mich vom Hotel zum Hafen. Skeptisch gehe ich an Bord eines kleinen, rostigen Dampfers. Auf dem unteren Deck sitzen an einem wackeligen Tisch ein albanischer Beamter und eine Dolmetscherin. Der Beamte beguckt sich meinen Paß sehr genau, vor allem die Stempel. Dann verkündet er, daß ich 8000 Drachmen zahlen muß. Das entspricht ungefähr 50 Mark. Dafür bekomme ich einen sorgfältig hingezirkelten Stempel.

Der Dampfer dümpelt vorbei an amerikanischen Schlachtschiffen, die auf Reede liegen. Die GIs machen hier Urlaub von ihrer Adria-Blockade gegen Serbien und beglücken die korfiotische Küste mit ihren Dollars.

Es ist stechend heiß, der leichte Schirokko tut gut. An Bord befinden sich Engländer, Holländer, Franzosen, Italiener, Finnen und ein paar Deutsche. Aus einem knarrenden Lautsprecher werden wir in englisch begrüßt. Die Fahrt nach Agioi-Saranda soll eineinhalb Stunden dauern.

Agioi-Saranda wurde Anfang der vierziger Jahre gegründet, sein prominentester Urlaubsgast war Mussolini, der mit seiner Yacht von Italien herübergekommen war und sich hier gleich eine hübsche Villa bauen ließ.

Gegen elf Uhr macht unser Schiff im Hafen von Agioi-Saranda fest. Das Panorama zeigt ausschließlich Plattenbau und triste Monotonie. Einziger Schmuck: wunderschöne Blumen, hauptsächlich Bougainvillea. Von einem Betonponton springen Kinder ins Hafenbecken und betteln zum Schiff hinauf: „He, Mister, give me onehundred drachmes.“ Polizisten versuchen, sie zu verjagen. Vergeblich, die Kinder werden den ganzen Tag unsere Begleiter sein.

Wir steigen in einen uralten Bus. Die albanische Reiseführerin, die sehr distinguiert englisch spricht, erzählt, daß Albanien vor drei Jahren bereits freie Wahlen hatte, sich seitdem geöffnet hat und von keinem Land der Welt Hilfe bekommt. So sei es nicht verwunderlich, daß man vor immens großen wirtschaftlichen Problemen stehe. Den Bauern gehört jetzt das Land, aber es gibt keine Maschinen, um es zu bewirtschaften.