Sie essen nicht gern allein und kochen darum auch nie? Streichen sich, wenn der Hunger zu sehr nagt, mal eben ein Nutellabrot oder verputzen, an besonderen Tagen, auf die Schnelle den sattsam bekannten Mozzarella plus Tomaten plus Basilikum? Kennen wir. Unser persönlicher Ernährungsplan gleicht dem Ihren aufs Haar. Klar, jeder weiß, wie ungesund so was ist. Aber wer hat schon Spaß an einem sorgfältig komponierten Dreigängemenü, umflossen von silbernem Kerzenschein, wenn auf dem Stuhl gegenüber bloß der Kater Platz nimmt?

Als besonders unangenehm empfindet der Alleinesser seine Lage auch in Ausnahmesituationen, im Urlaub zum Beispiel. Nicht selten sieht man ihn des Abends durch die Hotelhalle huschen, die Plastiktüte mit den notwendigsten Nahrungsmitteln an sich gedrückt, damit nur ja die Weinflaschen nicht klirren. Wir können uns lebhaft vorstellen, wie so ein verbotenes Picknick auf dem Hotelzimmer abläuft – hastig und immer in Angst vor dem Klopfen des Etagenkellners.

Doch wie das so ist im Leben, die Dinge verändern sich, und manchmal sogar zum Besseren. In diesem Fall sind Tausende einsamer Knäckebrot-Konsumenten die Gewinner. Wir verraten Ihnen auch, wieso: In unserem guten, alten Hamburg, wo die Leute bekanntermaßen wahre Cleveries sind, hat eine ebensolche Dame kürzlich eine neue Firma installiert. Das wäre an sich kaum der Rede wert, wenn es sich hierbei nicht um etwas wirklich Nützliches handeln würde, nämlich um eine „Vermittlungsagentur“ für Menschen „die sich beim gemeinsamen Essen kennenlernen möchten“.

Na endlich! Schließlich mußten wir uns dahingehend jahrelang alleine abrackern. Kaum daß man beim Italiener um die Ecke oder in der Wurstbude zum Essen kam vor lauter in die Runde lächeln, Salzfäßchen ausleihen und um Feuer bitten. Früchte getragen hat das natürlich nie. Kneipenbekanntschaften sind, man weiß es jetzt, wie Urlaubsflirts: ausgesprochen kurzlebig.

Da erwarten wir uns von so einer generalstabsmäßig geplanten Kennenlernaktion doch einiges mehr. Erstens ist gewährleistet, daß man was Gescheites auf die Gabel bekommt, zweitens geschieht das garantiert in Gesellschaft und drittens ohne nennenswerte Verrenkungen: Man ruft bei der Agentur an, erläutert kurz, worauf man, sagen wir, am Mittwochabend voraussichtlich Appetit haben wird, und schon gibt’s die passende Adresse. Wenn einem das Glück hold ist, hat Familie Müller im Haus schräg gegenüber just an diesem Tag Szegediner Gulasch auf dem Feuer, und da kann man dann mal wieder so richtig reinhauen. Als Dreingabe winken erbauliche Tischgespräche mit den Gastgebern. Befürchtungen, daß sowohl die leibliche wie auch die seelische Betreuung hinterher von der Hausfrau in Rechnung gestellt wird, sind überflüssig. Für diese Einladung kassiert die Agentur: lächerliche fünfzehn Mark. Das ist nur gerecht, denn die hat einem die warme Mahlzeit nebst Familienanschluß ja schließlich zugeschanzt.

Ach so, das Ganze funktioniert natürlich auch andersherum. Wenn Sie ausnahmsweise Lust nach einer großangelegten Kochaktion verspüren, Ihnen aber noch die Gäste fehlen: Informieren Sie das Vermittlungsbüro, daß Sie am Samstag für soundso viele Personen was Feines auf den Tisch bringen, und schon trudeln handverlesene Besucher zum Abendbrot ein.

Die sitzen sich dann in froher Runde gegenüber, genießen das wunderbarste Essen seit Siebecks Weihnachtsmenü von 1985, trinken Ihren teuersten Wein und knüpfen begeistert Kontakte. Nicht mit Ihnen natürlich. Sie waren ja dauernd in der Küche. Brigitte Wolter