Von J. Brian Atwood

WASHINGTON. – Vergangene Woche lief ich zwischen den Flüchtlingen von Goma umher. Ihre Gesichter verfolgen mich noch immer. Ich sah ein Meer von toten Augen; der leere Blick ohnmächtiger Resignation in den ausgemergelten Gesichtern kleiner Kinder und erschöpfter Mutter. Wen wundert es? Diese Menschen haben zugesehen, wie ihre Familien ausgelöscht wurden. Sie sind Zeuge der schlimmsten Greuel geworden, die Menschen einander antun können.

Als die ersten Berichte über den Ausbruch der Cholera eintrafen, war die Erinnerung an diese Kinder in mein Gedächtnis eingebrannt: Manche Kinder streiften ziellos ohne ihre Eltern durch das Flüchtlingslager. Andere schienen ihre fremde neue Heimat aufmerksam zu erkunden. Diese Kinder sind die am meisten zu bedauernden Opfer, denn sie sind nicht verantwortlich für die Katastrophe.

Auf den Feldern von Ruanda verfault eine gute Ernte. Einen Steinwurf entfernt von diesem Überfluß, auf der anderen Seite der Grenze zu Zaire, trinken die Menschen ungenießbares Wasser aus einem verseuchten Teich. Der Vulkanboden unter ihren Füßen macht es unmöglich, die Toten zu begraben. Die Flüchtlinge sind in einer Weise zusammengepfercht, die für Menschen nicht mehr erträglich ist.

Jetzt versucht die internationale Gemeinschaft die Situation zu bewältigen, gegen scheinbar unüberwindbare Hindernisse: Unsere Feinde heißen jetzt: Cholera, Wasserknappheit, Seuchen und Hungertod. Noch nie haben wir einen Flüchtlingsstrom erlebt, der so schnell so groß wurde. Er begann am 13. Juli und nahm kein Ende, bis sich 1,2 Millionen Ruander in Goma gesammelt hatten. Weitere 200 000 strömten nach Bukavu in Zaire und 800 000 ins zairische Kamanyola, nahe der ruandisch-burundischen Grenze.

Die humanitäre Reaktion wird aber unzureichend sein, solange sie nur an den Lieferungen von Nahrungsmitteln, medizinischen Hilfsgütern und Wasseraufbereitungsanlagen gemessen wird. Ohne einen politischen Ansatz ist dieses Problem nicht zu lösen. Die neue Regierung in Kigali muß den Ruf nach Machtteilung beherzigen; die Hutu müssen von der Patriotischen Front als gleichberechtigte Bürger behandelt werden. Kriegsverbrecher müssen eben fairen rechtsstaatlichen Prozeß erhalten.

Die neue Regierung allein kann die Bedingungen nicht schaffen, die nötig wären, um die Flüchtlinge zu einer Rückkehr zu ermutigen. Eine vergrößerte UN-Einheit muß schnellstens stationiert werden. Diese Einheit müßte die französische „Sicherheitszone“ im Südwesten des Landes auf ganz Ruanda ausdehnen.