Im Februar 1944 trafen sich in Wilna der dortige Leiter der Abwehrstelle, Major Christiansen, und der örtliche AK-Kommandeur, General „Wilk“-Krzyzanowski. Der Ort war nicht zufällig ausgewählt, sollte doch hier die erste Phase des Aufstandes beginnen. Christiansen, vom Oberkommando des Heeres bevollmächtigt, versuchte, eine Übereinkunft zu erzielen, die es vielleicht ermöglichte, die regionalen AK-Partisanen mit deutschen Waffen und Nachschub zu versehen und in eine gemeinsame antibolschewistische Front einzureihen. Die mehrwöchigen Verhandlungen blieben allerdings ergebnislos.

Doch gaben die deutschen Sicherheitskräfte nicht auf: So soll es zwischen dem 20. und 22. Juli 1944 nahe Warschau zu einem denkwürdigen Treffen zwischen dem SS-Hauptsturmführer und Kriminalrat Paul Fuchs und dem Leiter der AK, „Bor“-Komorowski gekommen sein. Fuchs habe dem General freiheraus gesagt, daß die Aufstandspläne der deutschen Seite bekannt seien und ob angesichts der zu erwartenden Verluste der Bevölkerung ein derartiges Unternehmen nicht besser unterlassen werden sollte. Komorowski habe erwidert, er unterstehe als Soldat seiner Regierung und müsse deren Befehle ausführen.

Wenn dieses Gespräch so abgelaufen sein sollte, könnte es weitreichende Folgen bewirkt haben. Denn just am 22. Juli 1944 entschied sich Komorowski, den Aufstand auf die polnische Hauptstadt zu begrenzen. Bisher war Warschau gerade wegen der Gefährdung der Zivilbevölkerung ausgespart worden. Was hat ihn veranlaßt, eine Woche vor dem Signal zum Aufstand das gesamte Konzept auf den Kopf zu stellen, und das unter erschwerten konspirativen Bedingungen? War es die Proklamation einer kommunistischen provisorischen Regierung in Lublin an eben diesem Tage? Oder der Zusammenbruch der deutschen Heeresgruppe Mitte? Oder hatte man sich insgeheim mit den Deutschen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt?

Die Ausgangsposition für einen Aufstand war denkbar schlecht. Der Mangel an zuverlässigen Informationen für das Oberkommando der AK bewirkte eine Fehleinschätzung der Gesamtlage. Die Menschen sahen zwar in Warschau einen jämmerlichen Rückzug der Wehrmacht, die an ihren Fahrzeugen Kühe und Schafe hinter sich herzog; zerlumpte Gestalten, Überlebende des Desasters in Weißrußland, hockten auf Panjewagen. Aber im Nordosten Warschaus waren frische und kampfstarke Panzerverbände herangeführt worden, die den stürmischen Vorstoß der Roten Armee stoppten und bei Radzymin ein sowjetisches Panzerkorps zerschlugen.

Noch am 1. August 1944, gegen 9 Uhr morgens, setzte sich SS-Hauptsturmführer Alfred Spilker mit politischen Delegierten der Exilregierung in Warschau zusammen. In einem zweistündigen erregten Gespräch versuchte der Gestapo-Mann, die Polen zu bewegen, den Aufstand abzublasen. Kurz nach 11 Uhr kehrte er resigniert in seine Dienststelle zurück: „Jetzt geht es los!“

Nur wenig später waren die ersten Schießereien in den Straßen Warschaus zu hören, obwohl der eigentliche Aufstand erst um 17 Uhr beginnen sollte. Die BBC würde das Signal senden, ein altes Lied polnischer Aufstände: „Mit Feuer und Rauch“. Die Deutschen hatten sich vorgesehen: Akten waren verlagert worden, Gefängnisse geräumt, die Patrouillen verstärkt, Dienststellen und öffentliche Gebäude befestigt. Zudem waren 100 000 Polen zu Schanzarbeiten östlich von Warschau rekrutiert worden, um dem Zulauf zur Aufstandsbewegung vorzubeugen.

Die Aufständischen kontrollierten am 2. August bereits große Teile der Stadt, doch wichtige Gebäude und insbesondere die Weichselbrücken sowie die Flugplätze konnten nicht genommen werden. Die angreifenden Polen wurden von rasch aufgestellten Verbänden des Stadtkommandanten, Generalleutnant Stahel, zusammengeschossen. Himmler setzte eine Stunde nach Ausbruch des Aufstandes Polizei- und SS-Einheiten aus Posen in Marsch, befehligt vom SS-Gruppenführer und General der Polizei Heinz Reinefarth. Am 5. August kam der Chef der Bandenbekämpfungsverbände, der SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Erich von dem Bach-Zelewski, nach Warschau, um den Aufstand niederzuschlagen.