Buenos Aires

Once, der jüdische Stadtteil von Buenos Aires, gleicht jenen Vierteln, die es in europäischen Städten vor dem Krieg gegeben hat: mit Schulen, die Hebräisch als zweite Sprache lehren; Schreibwarenläden mit jiddischen Büchern im Schaufenster; koscheren Metzgereien; kleine Cafés, die Kartoffelknishes, Apfelstrudel und Mohnkuchen anbieten – eine ganze Palette von Gerichten, die es vielleicht auch bei den Großeltern aus Wien oder Krakau zum Kaffee gab.

Orthodoxe Juden, schwarzgekleidet, mit langen Bärten, sind ein alltäglicher Anblick in den Straßen von Once. Hier hat der Großrabbiner von Argentinien seinen Sitz; hier findet man Synagogen und jüdische Kulturzentren. Und hier stand auch das Haus der AMIA, der Asociación Mutual Israelita Argentina, die Vereinigung der jüdisch-argentinischen Gemeinde. Nur ein Loch im Straßenzug blieb, wo vorher das siebenstöckige Gebäude der AMIA war. Die hundert Jahre alte Organisation ist das Zentrum aller jüdischen Gemeinden Argentiniens. Rund eine Viertelmillion Juden leben in diesem Land: Nach New York hat Buenos Aires die größte Gemeinschaft von Juden in der Neuen Welt. Sie traf nun der Bombenanschlag, der 90 Menschen das Leben kostete, 15 verschüttete und 231 verletzte.