ZEIT: Herr Bergner, Sie haben sich geweigert, die Linksfront/Rote-Socken-Plakate der CDU in Sachsen-Anhalt zu verwenden. Halten Sie diese Kampagne für verfehlte Parteitaktik?

Bergner: Der tiefere Grund war: Wir müssen das Problem PDS als ein Problem ihrer aktuellen Politik verstehen und nicht als ein Problem der Vergangenheitsbewältigung. Außerdem: Das Bild von den roten Socken empfinde ich als viel zu niedlich; es widerspricht der ernsten Lage hier.

ZEIT: Sie lehnen also einen derartig generalisierenden Angriff gegen die neue Regierung ab, wollen aber Fundamentalopposition gegen die Minderheitskoalition betreiben. Ist das nicht ein Widerspruch?

Bergner: Das Wort Fundamentalopposition hat nichts mit der Frage der Rote-Socken-Plakate zu tun. Wir haben mit diesem Begriff deutlich machen wollen, daß wir uns nicht erpressen lassen, Stimmvieh der Minderheitskoalitionäre zu sein. Man hat uns ja in perfider Weise vor die Alternative geführt: Entweder ihr stimmt – im wohlverstandenen Interesse des Landes – unseren Vorlagen zu; oder ihr seid schuld daran, wenn wir uns mit der PDS schmutzig machen.

Dabei wären Kompromisse möglich gewesen. So jedenfalls ist es absonderlich, uns die Regierungsfähigkeit einerseits abzusprechen und andererseits Unterstützung für die Regierung zu erwarten. Die SPD fordert nichts weniger, als daß wir unsere politische Identität aufgeben, damit die Minderheitsregierung überlebt. Fundamentalopposition heißt: Dieses Spiel wollen wir nicht mitmachen.

ZEIT: Das Dilemma aber bleibt doch: Entweder akzeptieren Sie den wachsenden Einfluß der PDS, oder die CDU kommt zu einer Art Vertragszustand mit der SPD.

Bergner: Ohne die Stimmen der PDS wäre Reinhard Höppner nicht Ministerpräsident geworden. Das ist auch im Lande so verstanden worden. Im übrigen ist es der alte PDS-Vorschlag der Tolerierung, den die Minderheitsregierung umgesetzt hat.