Brennende Schiffe, gekaperte Kutter, wild gewordene Fischer – da konnten die Franzosen nur noch staunen: Einmal mehr wurden spanische Fischer am Tag ihrer Schutzheiligen Sankt Carmen zu Piraten. Doch zu sehr sollte sich Frankreich nicht wundern: Daß Fischer in Existenznot rabiat werden, müßten sie spätestens seit den gewalttätigen Ausschreitungen in der Bretagne im vergangenen Februar wissen.

An dem Ärger der Spanier ist die französische Regierung freilich nicht unschuldig: Zuerst verhinderte sie, daß Spanien 1986 bei seiner Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft vernünftige Fangquoten bekam, obwohl das Land doch mit derzeit 17 000 Booten und 92000 Fischern die größte Flotte der EU hat. Dann sorgte Paris in Brüssel dafür, daß seine Kutter den lukrativen weißen Thunfisch mit langen und umweltschädlichen Schleppnetzen fangen dürfen, während viele spanische Boote noch mit Angelruten arbeiten. Wenn Frankreich beim Fisch weiter nur auf seinen eigenen Vorteil schaut, dann können die Kutter des Landes wohl nur noch mit Begleitschutz in See stechen. ls