Das ist schon bemerkenswert: keinerlei Konflikt, der die Alten und die Jungen auseinanderrisse, sei es forcierten Selbstbewußtseins, sei es anderer architektonischer Auffassungen wegen, sondern der Gleichklang der Generationen. Alle Böhms – vom Großvater Dominikus (1880 bis 1955) angefangen, der als rheinischer Kirchenbaumeister berühmt geworden war, über Vater Gottfried (geboren 1920), der die Gegenwart mit vielen eigenwilligen Bauwerken bereichert und dafür den höchsten, den Prizker Preis für Architektur bekommen hat, bis zu den vier Söhnen Stephan, Peter, Paul und nun wohl auch Markus alle sind sie sich in ihren Arbeiten erstaunlich ähnlich. Wieviel Gleiches: fast gleich der Strich mit Kohle oder weichem Bleistift, gleich die Haltung zur Architektur, die mit den Strömungen und Moden der Zeit nichts im Sinn hat, gleich das Vertrauen auf die eigene, selbstbewußt gefundene, körperhafte, gern mit archaischen Figuren spielende Architektur, die durchweg anders ist als alles andere, was so gebaut wird. Sie ist, was sich auf einen Blick nicht besser als auf den hier ausgestellten Zeichnungen und in den Modellen erkennen läßt, von starker Plastizität; nicht selten fühlt man sich an den Expressionismus erinnert.

Eine erstaunliche Übereinkunft, obwohl die Böhms oft von woanders her zur Architektur gefunden haben: Dominikus, Sproß einer alten Baumeisterfamilie, wollte nie etwas anderes als eben dies werden; Gottfried Böhm, der Vater, war erst Bildhauer; von seinen Söhnen fand der erste direkt ins Fach, der andere über Gartenbau und Landwirtschaft, der dritte über die Malerei, der vierte, ein Informatiker, ist gerade dabei, die Spur zur Baukunst in sich zu wittern. Und Elisabeth Böhm, ihre Mutter, hat nun auch ins Metier zurückgefunden und zeigt es mit einem eigenwilligen Wettbewerbsvorschlag für die Berliner Spreeinsel. Was es im einzelnen mit dem familiären Netz der fachlichen Verflechtungen auf sich hat, beschreibt der Kunsthallendirektor Ulrich Weisner neugierig und geduldig im außerordentlich schönen Katalog, der auch die meisten Zeichnungen dieser sympathischen, anregenden, Staunen machenden Ausstellung enthält. Schon eindrucksvoll zu sehen, wie sich Väter wie Söhne auf die unter Architekten keineswegs mehr selbstverständliche Kunst der Darstellung verstehen.

Woran man am Erde denkt? Natürlich, nun auch an die von den Konservativen hartnäckig doch noch erzwungene Kuppel für das Berliner Reichstagsgebäude. Der Engländer Foster hat sich ihnen in seinen letzten Entwürfen nun tatsächlich gebeugt, doch seine leptosome, proportional fragwürdige Erfindung vor Augen, beginnt man fast, der Böhmschen Kuppel nachzutrauern: Die strebte nach neuem Inhalt, ließ eine kühne Idee erkennen, hatte jedenfalls: Kraft. (Kunsthalle Bielefeld bis 14. August; Katalog 48 Mark) Manfred Sack