Bayern 3, Samstag, 30. 7., 23.20 Uhr; West 3, Sonntag, 31. 7., 11 Uhr; SFB, Dienstag, 2. 8., 22.15 Uhr: „Poet und Pilot – Antoine de Saint-Exupery“

Wer Filme über Schriftsteller macht, hat es nicht leicht. Das sind seltsame Menschen: Sie sitzen an ihren Schreibtischen und schreiben, und wenn sie stehen und gehen, dann denken sie wichtige Gedanken – nicht gerade der Lebenswandel, aus dem sich fesselnde Bilder gewinnen lassen.

Antoine de Saint-Exupéry, der französische Schriftsteller, der vor fünfzig Jahren bei einem Aufklärungsflug ums Leben kam, war eine Ausnahme. Er war nicht nur erfolgreich als Romanautor, er schrieb nicht nur das bis heute meistverkaufte Kinderbuch, den „Kleinen Prinzen“ – er war auch Versuchspilot und Postflieger, und das in der Pionierzeit der Luftfahrt, als das Fliegen noch ein lebensgefährliches Abenteuer war. Fliegend erschloß er Gegenden, die zu den photogensten der Welt zählen, Patagonien etwa oder die Sahara. Birgitta Ashoff weiß diese ungewohnten Möglichkeiten zu nutzen und tischt in ihrem Film über den Fliegerpoeten ein opulentes optisches Mahl auf.

So sieht der Zuschauer aberwitzige Drahtgestelle zu wackligen Landungen ansetzen, steigt in die Luft mit den ersten Propellerflugzeugen (deren Motorgebrüll noch sinnlich vermittelt, welch ungeheure Energie nötig ist, um gegen die Schwerkraft anzukommen) und blickt von weit oben auf das glitzernde Mittelmeer, in dem Saint-Exupery samt Flugzeug verschollen ist. Die Kamera führt uns auf seinen Spuren durch die marokkanische Wüste, schwelgt in Kompositionen aus Flächen und Linien, Schatten und Licht.

Mit solchen Bildern wird die Lebensgeschichte Saint-Exupérys erzählt, geschickt verknüpft mit Zitaten aus seinen Werken und garniert mit Erinnerungen seiner Weggefährten – meist Fliegerkameraden, die nun als würdige alte Herren zurückblicken. So wird das Leben dieses moralischen Idealisten anschaulich, der dem Materialismus des modernen Lebens entfliegen wollte.

Doch gerade diese Anschaulichkeit, dieser allzu direkte Weg, Saint-Exupérys Lebensspuren zu folgen, führt den Film aufs falsche Gleis. Denn hinter dem schönen Bilderreigen geht der distanzierte Blick verloren. Er wäre nötig, um die Brüche und Widersprüche dieses Lebens und dieses Werkes wahrzunehmen – das eigentlich Interessante also.

Wenig geht der Film zum Beispiel ein auf die Spannung zwischen dem globalen Humanismus, den Saint-Exupery pathetisch beschwor, und dem stark ausgeprägten Elitedenken, das aus seinen Schriften spricht: Nie konnte er sich anfreunden mit der modernen Massendemokratie. Statt dessen sehnte er sich in die Gegenwelt seiner Kindheit zurück: „Wir bildeten einen Kulturkreis für uns, in dem jeder Schritt seine Gesetze, jedes Ding seinen Sinn hatte“ – ganz anders als in der modernen Gesellschaft.

Birgitta Ashoff hat an Saint-Exuperys Leben zu wenige Fragen gestellt. Zu lustvoll ist sie mit ihm in die Luft gestiegen, wo alles so viel klarer erscheint, als es unten ist. Julia Baumgart