Gustav Heinemann wünschte sich den mündigen Bürger. Richard von Weizsäcker hielt die Deutschen für so mündig, daß er ihnen eine Ausstellung des Widerstands gegen Hitler zumutete, in denen alle Gruppen vorkommen, auch Kommunisten. Doch am Ende seiner Amtszeit holte eine rechts der Mitte angesiedelte Interessengruppe zum Gegenschlag aus: Sie will in der Berliner Gedenkstätte Deutscher Widerstand keine „roten Socken“ mehr sehen.

Noch ist dieser Anschlag nicht abgewehrt. Ohne Absprache mit dem zuständigen Kultursenator befand Bürgermeister Diepgen, man könne doch die Ausstellung dem (von Kanzler Kohl geförderten) Deutschen Historischen Museum anvertrauen. Senator Roloff-Momin hält dagegen: Die Ausstellung bleibt, wo und wie sie ist. Im Herbst könnte es anders laufen. Dann wird die Gedenkstätte in eine Stiftung umgewandelt, an der Land und Bund je zur Hälfte beteiligt sind. Die Wähler werden also mit entscheiden, ob die Ausstellung in ein Museum verbannt wird. Dann könnte man wie in den fünfziger Jahren im Ehrenhof ungestört des Widerstands nur einer Elite gedenken, bei klingendem Spiel der Bundeswehr.

kj.