Politisch korrekt

Statistiker haben eine Methode entwickelt, anhand von repräsentativ ausgewählten Stimmbezirken das Wahlverhalten nach Geschlecht und Alter zu analysieren. Wie war das bei der Europawahl? Um nur ein wirklich erfreuliches Ergebnis zu nennen: Die Republikaner sitzen dank der Frauen nicht im Straßburger Parlament. Die Wiesbadener Statistiker schreiben: „Stellt man die Stimmanteile von Männern und Frauen gegenüber, so zeigt sich, daß die Republikaner mit den Männerstimmen allein (sechs Prozent) über die Fünf-Prozent-Hürde gekommen wären, daß sie jedoch aufgrund der Zurückhaltung der Frauen (2,4 Prozent) dieses Ziel verfehlten.“ Rechtsradikalismus, Law and Order, Ausgrenzung von Menschen und Gewalt mögen weit weniger Frauen als Männer. Eigentlich wissen das die Wahlforscher schon seit den späten sechziger Jahren: Mindestens doppelt so viele Männer wie Frauen wählten die unsägliche NPD.

Politisch inkorrekt

Er wurde vor einem Jahrzehnt begraben und feierte vor zwei Jahren mit einer lebensgroßen Bronzestatue in der Londoner Innenstadt seine Apotheose als Kriegsheld, aber der Streit um ihn flackert immer wieder auf: Sir Arthur „Bomber“ Harris, der britische Luftmarschall, der am 13. Februar 1945 Dresden in ein Flammenmeer verwandeln ließ. Schon anläßlich der Aufstellung des Denkmals hatte es eine Debatte über die Rechtfertigung der von Harris betriebenen vornuklearen Massenvernichtungsstrategie gegeben. Jetzt entzündet sie sich an einer kanadischen Fernsehserie. Darin wird dem Marschall erneut vorgeworfen, er habe die flächendeckende Zerstörung ziviler Wohngebiete zu einem Zeitpunkt betrieben, als es längst möglich war, militärische oder industrielle Ziele selektiv zu bombardieren. Als die Serie in Kanada gesendet wurde, klagten 25 000 Kriegsveteranen gegen die Fernsehstation, und der Senat des Landes beraumte eine Sondersitzung an. Vom 8. August an will der britische Fernsehkanal Channel Four den Dreiteiler ausstrahlen. Nun treffen beim Intendanten des Senders täglich Protestschreiben ein, darunter auch eines der britischen Königinmutter.

Apolitisch

Tierisch geht’s oft zu im Sommerloch, wenn stets aufs neue schaurig-schöne Geschichten von der ungezähmten Natur die Nachrichtenspalten füllen. Nessie, das unbegreifliche Wesen in schottischem Gewässer, wurde in diesem Jahr von einem flüchtigen Alligator in Dormagen ausgestochen. Aus England erreichte uns dafür dieses Jahr die Meldung von den „Killerbakterien“, die uns Menschen nun an Rumpf und Gliedern anknabbern werden. Fehlen eigentlich nur noch die „Killerbienen“. Und siehe da: Laut Neue Zürcher Zeitung soll ein Schwann Killerbienen auf einem holländischen Frachter von Guatemala nach Los Angeles gereist sein. Das Hafenpersonal reagierte prompt und setzte ein tödliches Spray ein. Gefahr gebannt? Mitnichten. Die gefährliche Bienenkönigin, die neue Killervölker begründen kann, wurde unter den Bienenleichen nicht geborgen. Ihr Überleben sei aber unwahrscheinlich, versichern die Experten. Wie unwahrscheinlich, werden wir im nächsten Sommer lesen.